Einmal Hippie sein.

Und wenn, dann doch bitte gleich an einem sehr entspannten Ort: Otres Beach 1 bei Sihanoukville. Wundern Sie sich nicht, es gibt zwei Otres Beaches und dann noch ein Otres  Village. Während letzteres an einem Flusslauf und kleinen See einige Kilometer im Landesinneren liegt und eher weniger Charme besitzt als, sagen wir Timmendorfer Strand, scheint Otres Beach 2 so etwas wie das wahre Otres Beach zu sein – noch abgelegener, noch alternativer, noch schöner, wie mir einige sendungsbewusste Backpacker mit auf den Weg gaben. Sei’s drum, mir gefiel es in Nummer eins ganz ausgezeichnet, weswegen es eine kleine Galerie, ein paar Tipps und sonst nichts gibt.

Fahren Sie selbst hin, bevor die großen Hotelgruppen eigene Resorts hinklotzen!

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Unterkunft
Seebreaze Resort
Nettes, kleines Resort. Die Bungalows sowie der Pool sind gut in Schuss gehalten, und die ukrainische General Managerin ist sehr freundlich und kompetent, ebenso wie das Team. Das Frühstück ist okay, aber anstatt des (Konserven) Fruchtsaftes sollte man sich lieber einen Pott Khmer-Kaffee bestellen – der weckt die Lebensgeister überaus schnell!

Essen und Trinken
Otres Beach hat für jeden Geschmack etwas. In den meisten Bars und Restaurants kann man neben Khmer-Gerichten internationale Klassiker oder die Spezialitäten aus dem Heimatland des Besitzers essen.

Papa Pippo
Natürlich ein Italiener! Die Bruschetta ist extrem lecker und reicht locker für zwei Personen. Und Spaghetti Puttanesca habe ich selten so gut gegessen.

Dune-Restaurant
Frankophilen Essern geht beim Lesen der Karte das Herz auf: Merguez! Crème brûlée! Und ja, die Merguez sind genau so, wie man sie aus Frankreich oder dem Maghreb kennt. Thomas und seine Equipe halten das Resto gut in Schuss und auch die Drinks sind ordentlich gemixt. Tipp: Vormittags eine Liege unter einem Palmschirm in zweiter Reihe sichern und einen Mangoshake ordern.

Bamboo Shack
Wem nach etwas frischem ist, sollte den griechischen Salat mit Schafskäse essen. Außerdem gibt es ausgezeichnete Kebab-Spieße, die mit Fritten und einer limettigen Sauce serviert werden. Bier gibt es hier für 1 $, der Sonnenuntergang ist gratis.

 

Rümpf, rümpf, rümpf.

Ja, genau. So sieht eine gute Überschrift aus. Und natürlich fragen Sie sich möglicherweise: „Was will sie uns denn jetzt schon wieder erzählen?“ Naja, Sie wollten es ja nicht anders.

Damit ich mich nicht langweile, lese ich mich vorher durch Lokalnachrichten, Veranstaltungskalender und Kulturseiten, um zu erfahren, was man denn am Ort des Geschehens so anstellen kann. Und da stieß ich in der Phnom Penh Post auf einen Artikel über die Siem Weep Singers. Weeping im Sinne von „Tränen wegwischen“.

Die Travelling Lady ist ja immer offen für Grenzerfahrungen. Und so schritt ich nach einem kurzen Telefonat mit der derzeit amtierenden Chorleiterin Deborah Saunders durch die Stadt, um in der Small Art School meine Aufwartung zu machen. Die Small Art School, gegründet und geleitet von der Japanerin Tomoko Kasahara, hat sich zur Aufgabe gemacht, unterprivilegierten Kindern und Jugendlichen eine Teilhabe an künstlerischer Bildung zu ermöglichen.

Angeschlossen daran ist die Khmer Kids Art Gallery, wo neben Arbeiten der Kinder und Jugendlichen auch weitere Werke erworben werden können. Hier trafen wir uns: die beiden Expatriots Deborah aus Australien, Galerie- und Art Koordinatorin Yuko Sakata aus Japan – und ich. Von den sonst üblicherweise teilnehmenden bis zu 17 Chormitgliedern waren aufgrund des erhöhten Urlaubs- und Krankheitsaufkommens also nur wir drei übrig. Und ich glaube zu wissen, dass die Beiden nur mir zuliebe den Chortermin durchführten und meine diversen Stimm- und Tonlagenausrutscher dezent überhörten. An dieser Stelle ein riesengroßes Herz nach Siem Reap! „Rümpf, rümpf, rümpf.“ weiterlesen

Mr. Panns Ponys oder Lektionen in Glück.

Er seufzt ein wenig und seine Falten scheinen sich noch tiefer in das braune Gesicht einzugraben: „Die Stadt wächst immer weiter, wie ein Pilz. Und ich brauche mehr Land. Aber das Land um meine Farm gehört der Stadt. Also muss ich umziehen, weiter raus.“

Dabei wäre es für Sary Pann, Eigentümer der „Happy Horse Farm„, nur einer der vielen Umzüge und Umbrüche in seinem Leben. 1941 in Siem Reap geboren und dort aufgewachsen, erlebte er die Wirren um die Landnahme zwischen Thailand und Kambodscha unter der Duldung der französischen Kolonialherren ebenso wie den Vietnam- und Bürgerkrieg. Der Beginn des Vietnamkriegs war für ihn die Möglichkeit, aus der Provinz auszubrechen: „Ich wollte etwas lernen, sehen und in die Großstadt!“ 1969 ging er nach Phnom Penh, um sechs Jahre lang für die amerikanische Botschaft zu arbeiten. 1975, kurz bevor die Roten Khmer die Stadt eroberten und die Bevölkerung entweder vertrieben oder umbrachten, holten ihn seine Dienstherren außer Gefahr. Sary Pann wurde erst nach Thailand gebracht, dann nach Kalifornien.

„Dort habe ich als Angestellter gearbeitet und besser Englisch gelernt, bis ich dann 1992 wieder nach Kambodscha zurückkam.“ Seit seiner Verrentung 2002 baute er systematisch seinen Reitbetrieb und die Pferdezucht aus. „Ich fing 1996 mit einem Pony an, importiert über ein Schutzprogramm aus Vietnam. Es war abgemagert und verwurmt, aber mein erstes Pferd. Dann kaufte ich nach und nach immer mehr Pferde, viele davon Araber* aus Vietnam und fing an zu züchten. Die Ponys und Pferde hier auf der Ranch haben viele Rassen, aber das Khmer-Pferd ist robust und geht auf die Mongolenpferde zurück.“ In der Tat sind auf vielen Reliefs in Angkor Wat kleine Kriegspferde zu sehen, mit kräftigem Schädel und Stehmähne, ganz wie mein Pferdchen namens „Star“, das mich später durch ausgetrocknete Reisfelder, Weiden und durch die Vorstadtdörfer Siem Reaps tragen wird.

Mittlerweile stehen 46 Pferde in seinen Ställen, die allesamt westlichen Standards genügen. Die Pferde machen einen guten Eindruck, keine Rippen sind zu sehen und Sary Pann versichert: „Ich lasse sie regelmäßig entwurmen und checken, wir werden hier auch von der Cambodia Pony Welfare Organisation überprüft.“ Die Pferde erhalten zwei Mal täglich ein Mischfutter aus Gras und einer Melange aus Pflanzenöl, Kalzium, weiteren Mineralien und importiertem Quellfutter aus Thailand. Das Gras kommt von eigenen, gut gewässerten Wiesen.

Die Pferde würden ausschließlich in den frühen Morgenstunden oder am späten Nachmittag geritten. „Es macht keinen Sinn, wenn sich Pferde und Reiter in der Hitze unwohl fühlen. Und auch für unsere Guides ist es angenehmer.“ Die Guides und Angestellten werden von der Cambodia Pony Welfare Organisation ausgebildet und sollen selbstständig für das Wohlergehen der Tiere sorgen können. Auch Volontäre sind gern gesehen, obwohl man das Konstrukt, in Entwicklungs- oder Schwellenländern kostenfrei zu arbeiten und möglicherweise lokalen Arbeitskräften Jobs wegzunehmen, durchaus kritisch sehen kann. Dazu in einem späteren Post sicherlich mehr.

Für die Zukunft wünscht er sich „Mr. Panns Ponys oder Lektionen in Glück.“ weiterlesen

Touristische Tempelritter.

Mist. Ich habe sie nur um vier Tage verpasst! Angelina Jolie war in Siem Reap, um die Premiere ihres neuen Films „First They Killed My Father“ zu feiern. Nicht in Phnom Penh, nicht in Los Angeles, nein, in Siem Reap, ganz in der Nähe der Tempelanlage Ta Prohm, die zum gewaltigen Komplex von Angkor Wat gehört. Dazu hat sie mit ihren Kindern die traditionelle kambodschanische Küche entdeckt und Skorpione, Vogelspinnen und Käfer (Video!) gegessen. Also fast wie normale Touristen, wenn sie in die heimliche Hauptstadt Kambodschas kommen.

Was normale Touristen natürlich auch machen: „Angelinas“ Tempel Ta Prohm besuchen und sich gegenseitig auf den Füßen herumstehen. Besonders gern wird man von Touristengruppen des chinesischen oder koreanischen Kulturkreises aus dem Weg geräumt, möchte man einmal ein Relief etwas genauer betrachten. Hier gibt es einige Tipps, wie man Angkor Wat in Ruhe genießen können soll – vor allem ist frühes Aufstehen angesagt.

Ich für meinen Teil traf unter der fachkundigen Führung von Mr. Rith um acht Uhr am Wat Bayon ein, um die berühmten Riesen-Köpfe in einem angenehmen Licht fotografieren zu können. Da waren die meisten Gruppen noch am Haupttempel Angkor Wat. Die gewaltige Anlage von Angkor Wat bedarf durchaus des Besuchs von zwei Tagen, um alles erfassen und sehen zu können. Am besten, man bucht einen Dreitagespass und besichtigt jeweils einen oder zwei Tempel am Morgen, um dann den Rest des Tages andere Dinge zu machen.

Angelinas Tempel, wo sie 2001 während der Verfilmung des Videospiels „Tomb Raider“ ihre Fußspuren hinterließ, ist durch die eingestürzten Ruinen sehr malerisch und bedarf guten Schuhwerks. Sie trug damals übrigens Wanderstiefel. Heute tun es auch Sportschuhe, aber Flipflops sollte man vermeiden. Zu leicht verknackst man sich den Knöchel. Oder ein asiatischer Tourist tritt darauf.

Schauen Sie sich doch einfach die Fotos an. Und alles Wissenswerte zu Angkor Wat hat Patrick in seinem Blog Tripangkor zusammengestellt. Lesenswert ist auch das Blog von Inga Palme, die über Leben, Essen, Ausgehen und Menschen in Siem Reap schreibt.

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Der kambodschanische Leuchtturm.

Wer sich schon einmal im Cirque du Soleil in artistische Traumwelten entführen ließ, für den wird „Phare“, französisch für Leuchtturm, ebenfalls eine fantasievolle Erfahrung sein. Phare ist der Name eines kambodschanischen Zirkus- und Künstlerprojektes, das jeder Tourist mit einem Besuch des beiden Niederlassungen in Battambang oder Siem Reap unterstützen kann. 1994 als Kunstakademie Phare Ponleu Selpak – „Das Leuchten der Kunst“ – in Battambang gegründet, stand die Institution nach dem Ende der Schreckensherrschaft der Roten Khmer zunächst unter einem therapeutischen Ansatz. Vertriebene und traumatisierte Kinder und junge Menschen sollten mittels kreativer Arbeit neue Perspektiven erhalten. Heute ist die Akademie für Künste wie Malerei, Illustration, Theater, Musik, Tanz und Artistik in ganz Kambodscha bekannt und über 1.000 Schüler aus schwierigen Verhältnissen besuchen die kostenlosen Programme und Kurse.

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Die Akademie finanziert sich durch Spenden und die Aufführungen des Zirkus Phare in Battambang und Siem Reap. Außerdem sollen mit den Einnahmen Arbeitsplätze geschaffen und die Erneuerung der kambodschanischen Kunst vorangetrieben werden.

Die Aufführungen zeigen Alltagssituationen kambodschanischen Lebens, die auch für ausländische Erwachsene und Kinder leicht nachvollziehbar sind. Das Ganze ist überaus charmant und temporeich, wozu auch der treibende Rhythmus der traditionellen Roneat (kambodschanisches Xylophon) beiträgt. Als Appetizer gibt’s hier ein kleines Video der „Jungstruppe“, die mit viel Testosterongedöns und Clownerie die Herzen des weiblichen Artistikteams (und Publikums) eroberte.

Ach, schauen Sie sich das doch einfach mal selbst an, wenn Sie in Battambang oder Siem Reap sind! Es macht einen Riesenspaß und ist auch noch für einen guten Zweck.

 

Weinwelt: Kambodscha.

„I heard it through the grapevine…“ Der gute, alte Marvin Gaye! Mir war da übrigens auch ein Gerücht zu Ohren gekommen*, dass ganz in der Nähe des Tempelbergs Wat Banoen, den man mittels 358 Treppenstufen besteigen kann, ein Weingut geben soll. Da die Travelling Lady den weltlichen Genüssen zugetan ist, möchte sie unter der Rubrik „Weinwelt“ das ein oder andere Weingut auf ihrer Tour besuchen und natürlich auch deren Produkte verkosten. Was liegt also näher, als mit Kambodschas Wein anzufangen?

Die Chan Thay Chhoueng Plantation liegt in einem kleinen Dorf zwischen Battambang und Wat Banoen und sieht auf den ersten Blick aus wie eine ganz normale Tomatenzuchtanstalt in den Niederlanden: mit Folie überspannte Bögen, darunter Erde und Bewässerungssysteme, zentral gelegen die Verkostungs- und Verkaufsstation. Die sichtbaren Weinreben sind allerdings anders als gewohnt, keine am Boden gezogenen und ausgegeizten Stöcke, sondern ziehen sich quasi bis unter die Decke, anders als in diesem Artikel beschrieben. Trauben konnte ich keine finden, obwohl die Ernte in Kürze stattfinden sollte. Angeblich lassen sich aufgrund des guten Klimas bis zu drei Ernten pro Jahr an den 4.000 Rebstöcken erwirtschaften.

Auf meine Frage an die mich durch die Örtlichkeiten führende Mitarbeiterin, ob ich denn die restlichen Weinberge und die Keller besichtigen könne, wurde mir leider gesagt, dass dies derzeit nicht möglich sei. Eine weitere Erklärung erhielt ich auf Nachfrage nicht, was mich stutzig machte.

Später fand ich dann dieses Video (von 2010), was aber auch nicht wirklich erhellend sein dürfte.

Für 2 $ konnte ich dann einen Rotwein sowie den Brandy verkosten. Der Rotwein schien etwas zu süß geraten, obwohl er als die trockene Sorte bezeichnet wurde. Anders als in einer weiteren Wine Plantation wird hier wohl aber kein Palmzucker zugesetzt. Der Brandy wiederum kam sehr sprittig daher. Allerdings verzichtete ich auf den Kauf einer Flasche von beidem.

Wieder bei meinem netten Tuk Tuk-Guide Mr. Bhunta angekommen, erklärte der, dass die Familie früher sehr nett gewesen sei. Aber dann seien sie mit zur Weinplantage hingekarrten Touristen zu viel Geld gekommen und daraufhin heute nicht mehr sehr beliebt. Zumal sie mit dem Geld immer mehr Land gekauft hätten, ihre Angestellten schlecht entlohnten und der Wein, ja, der sei aus dem Ausland, aus China oder Vietnam dazugekauft und vermischt. Richtig anbauen könne man hier keinen Wein, das hätten die Besitzer auch gemerkt. Und später auch die Touristen, denn von den anfänglich bis zu 100 Besuchern pro Tag seien heute kaum noch welche, die den Stopp auf dem Rückweg nach Battambang machen würden.

Aber er wünsche der Familie weiterhin viel Glück, vielleicht würden sie ja mit ihrem Land traditionell Reis für Reiswein anbauen, der sei auch besser für die kambodschanische Seele. Für meine Seele ist es besser, auf kambodschanischen Wein zu verzichten und die nächste Weinprobe erst in Neuseeland zu starten. Ansonsten gilt: bei Gerüchten immer mal nachschauen und sich selbst von deren Wahrheitsgehalt überzeugen. I heard it through the grapevine…

*Nun gut, es stand im Reiseführer, aber es war so hymnisch beschrieben, dass ich da doch gleich mal den Gegencheck machen wollte.

Im Rausch durch Battambang.

Die Reise von Phnom Penh in die zweitgrößte Stadt Kambodschas ging schnell vorüber, was ebenso am fast durchgehend im Mini-Bus vorhandenen WLAN als auch an der Fahrweise des Busfahrers lag. Man sollte in solchen Fällen einen Vertrauensvorschuss geben, schließlich kennen die Fahrer in der Regel ihr Geschäft und außerdem gibt es in Berlin Busfahrer mit bedeutend schlimmerer Fahrweise und Laune. Aber sehen Sie selbst:

Letztendlich kamen wir alle wohlbehalten in Battambang an. Das hier bezogene Hotel kann ich übrigens wärmstens weiterempfehlen – es ist zauberhaft, das Frühstück ausgezeichnet und sogar für Familien geeignet.

Battambang, die alte Kolonialstadt, wollte also entdeckt werden. Leider hatte ich mir am Vortag zwei Blasen an den Fersen gelaufen, so dass ich in meiner Reiseapotheke nach Pflastern kramte. Ah, da waren sie ja! Ich klebte also auf jede Malaise eines und marschierte wohlgemut in Richtung Altstadt. Nach nicht einmal hundert Metern wurde mir sehr seltsam; alles verlangsamte sich auf unschöne Art und Weise, das Setzen eines Fußes vor den anderen fiel zunehmend schwerer. Auch schienen sich alle Farben in einen sehr wolkigen Nebel zu verändern. Etwas mühsam dachte ich erst über einen möglichen Hitzschlag nach, verwarf aber den Gedanken, denn ich hatte genug Wasser getrunken und mit knapp 30 Grad war die Temperatur im angenehm warmen Bereich. Also noch mühsamer nach Alternativlösungen für diese seltsamen Ausfallerscheinungen gesucht. Mittlerweile hatte ich keine Lust mehr zu Laufen; es war ohnehin immer schwerer geworden, die gerade Linie zu halten. Ich setzte mich in ein kleines Café. Da fiel mir blitzartig etwas ein. Waren es etwa…? „Im Rausch durch Battambang.“ weiterlesen

Vogelfrei.

Der Blick vom Treppenabsatz unterhalb des Tempels Wat Phnom geht tief ins grüne Dickicht, und die trubelige Großstadt scheint für einen Augenblick sehr weit entfernt. Eine junge Frau stellt vorsichtig zwei Käfige auf den Boden vor dem Geländer. Gute zwei Dutzend kleine braunschwarze Vögel klammern sich an die Sitz- und Gitterstäbe oder sitzen verängstigt oder halbtot auf dem Käfigboden. Die Frau nimmt einen der Vögel aus dem Käfig und setzt ihn auf die Handfläche.

Weit streckt sie den Arm in Richtung Dickicht, doch der Vogel versucht nicht einmal, davon zu fliegen. Selbst die zerzausten, langen Flügel hängen traurig herab. Sie setzt ihn auf den Boden neben den Käfigen, wo er reglos sitzen bleibt. Nur ein gelegentliches Zucken der Flügel und der noch erhobene Kopf zeigen, dass noch Leben in ihm steckt.

Einen Vogel nach dem anderen entlässt sie in die Freiheit. Die meisten fliegen nach einigen Probeflügelgschlägen sofort los. Ich frage sie, warum sie das macht. Sie antwortet: „Mit den Vögel fliegen die Sünden davon und es bringt Glück.“ Man kaufe die wild gefangenen Vögel – sie kosten umgerechnet 70 Cent pro Stück – und lässt sie dann wieder in der Nähe eines Tempels oder anderen heiligen Ortes frei.

 

Ich frage ich, wie viele Sünden sie wohl begangen haben mag, dass es zwei ganze Käfige voll mit kleinen Vögeln sein müssen. Der kleine Vogel auf dem Boden ist mittlerweile tot und durfte nicht mehr frei sein. Wenn das keine Sünde ist, weiß ich auch nicht.

Airport-Check (1): Helsinki.

Den Start macht Helsinki, und ja, ich war beeindruckt, was der Flughafen so alles zu bieten hat. Die knapp zweieinhalb Wartestunden auf den Anschlussflug waren in Null Komma Nichts vorbei. Natürlich nicht zuletzt dank des ersten und vielleicht wichtigsten Punkts der Liste:

  1. Unbegrenztes, kostenfreies WLAN und Ladestationen
    Wir leben im 21. Jahrhundert, alle sind mit allen vernetzt und es will mir einfach nicht in den Kopf, warum es an Flughäfen, auf Bahnhöfen, in Hotels oder in Kliniken Deutschlands nicht schon längst unbegrenztes, kostenfreies WLAN gibt. Das macht überaus zufrieden, verkürzt Warte- und Rekonvaleszenzzeiten (erwiesen!) und nervt entschieden weniger, wenn man nicht immer auf die Uhrzeit schielen muss und im Hintergrund die Eurostücke klackern hört. Dezent in Sitzmöbel eingebaute Ladestationen für elektronische Geräte haben die Finnen ja schon. So dezent, dass ich erst auf den dritten Blick sah, dass es sie gibt. Aber da hatte ich mein Handy und E-Book bereits gemütlich an einer der vielen Ladestationen mit Saft versorgt und surfte entspannt vor mich hin.
  2. Finnen-Designkult
    Marimekko, Iittala – die puristischen Designschlager aus Finnland werden natürlich auch in den Boutiquen am Flughafen angeboten (zu satten Preisen). Aber: es gibt auch noch einen Mumin-Shop! Wenn ein Land seinen geliebten Fabelwesen schon eine Euro-Münze designen lässt, ist der Shop ohnehin gesetzt.
  3. Book Swap
    Unterwegs alle Bücher ausgelesen und keine Lust mehr, sie weiterhin durch die Weltgeschichte zu schleppen? In der Kainuu Lounge stehen Regale und Reisende sind ausdrücklich ermuntert, ihre Bücher dort zu lassen und im Gegenzug interessante Bücher mitzunehmen.
  4. Schaukelstühle
    In mehreren Wartebereichen stehen schlichte Schaukelstühle neben den doch eher ungemütlichen Sitzbänken ohne Lehnen (aber dafür mit Ladestationen). Hallo! Schaukelstühle! Ist das nicht großartig?
  5. Sauna
    War ja klar, dass sich die Schwitzverrückten Finnen auch an ihren Flughäfen nicht vom Saunieren abhalten lassen. Und so bietet der Flughafen Helsinki zwischen den Gates 36 und 37 eben eine Sauna für jedermann an. Unisex, versteht sich!

Mehr Mut als Gepäck.

Kennen Sie Anna Leonowens? Nein? Aber die Verfilmungen „Anna und der König von Siam“, die kennen Sie doch bestimmt? Falls nicht: Die Geschichte um die verwitwete, englische Lehrerin Anna (Leonowens), die an den Königshof von Siam (Thailand) berufen wird, um dort dessen Kinder und Konkubinen zu unterrichten, ist ein Klassiker über Frauen im 19. Jahrhundert, die sich wenig um gesellschaftliche Konventionen scherten und fremde Länder bereisten, dort arbeiteten oder eigene Entdeckungen machten. Beschrieben sind sie unter anderem in dem Buch von Julia Keay „Mehr Mut als Kleider im Gepäck: Frauen reisen im 19. Jahrhundert durch die Welt“.

Weniger Mut als Kleider hat die Frau des 21. Jahrhunderts im Koffer, wenn sie auf Weltreise geht. Alles lässt sich per Internet suchen und buchen, wenn man es denn möchte. Kommunikation läuft zeitnah online und ganz ohne langwierige Postwege. Es gibt für alles Versicherungen und Rückfallebenen. Ein Luxus, wenn man sich die im oben genannten Buch portraitierten Damen ansieht.

Und vor allem deutlich weniger beschwerlich, was das Gepäck betrifft. Links ein Schrankkoffer, wie ihn die bessere Gesellschaftsdame zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf ihren Überseereisen per Schiff dabei hatte. Für Abend- und Tageskleider, Korsetts, Mäntel, Schuhe, Schals, Hüte… Stellen Sie sich vor, Sie würden mit einem solchen Koffer an den Check In-Schalter des Flughafens kommen!

Nichtsdestotrotz stellt sich heute wie damals die Frage: was soll mit? Und gleich daran anschließend: welcher Koffer ist der richtige für das ganze Gedöns, das Frau so mit sich führen möchte? „Mehr Mut als Gepäck.“ weiterlesen