Die Reise von Phnom Penh in die zweitgrößte Stadt Kambodschas ging schnell vorüber, was ebenso am fast durchgehend im Mini-Bus vorhandenen WLAN als auch an der Fahrweise des Busfahrers lag. Man sollte in solchen Fällen einen Vertrauensvorschuss geben, schließlich kennen die Fahrer in der Regel ihr Geschäft und außerdem gibt es in Berlin Busfahrer mit bedeutend schlimmerer Fahrweise und Laune. Aber sehen Sie selbst:
Letztendlich kamen wir alle wohlbehalten in Battambang an. Das hier bezogene Hotel kann ich übrigens wärmstens weiterempfehlen – es ist zauberhaft, das Frühstück ausgezeichnet und sogar für Familien geeignet.
Battambang, die alte Kolonialstadt, wollte also entdeckt werden. Leider hatte ich mir am Vortag zwei Blasen an den Fersen gelaufen, so dass ich in meiner Reiseapotheke nach Pflastern kramte. Ah, da waren sie ja! Ich klebte also auf jede Malaise eines und marschierte wohlgemut in Richtung Altstadt. Nach nicht einmal hundert Metern wurde mir sehr seltsam; alles verlangsamte sich auf unschöne Art und Weise, das Setzen eines Fußes vor den anderen fiel zunehmend schwerer. Auch schienen sich alle Farben in einen sehr wolkigen Nebel zu verändern. Etwas mühsam dachte ich erst über einen möglichen Hitzschlag nach, verwarf aber den Gedanken, denn ich hatte genug Wasser getrunken und mit knapp 30 Grad war die Temperatur im angenehm warmen Bereich. Also noch mühsamer nach Alternativlösungen für diese seltsamen Ausfallerscheinungen gesucht. Mittlerweile hatte ich keine Lust mehr zu Laufen; es war ohnehin immer schwerer geworden, die gerade Linie zu halten. Ich setzte mich in ein kleines Café. Da fiel mir blitzartig etwas ein. Waren es etwa…? Schnell riss ich mir die Pflaster von den Fersen. Nach zehn Minuten konnte ich wieder klarer sehen, bestellte einen wirklich guten Kaffee Crème und beschloss, nach meiner Rückkehr die restlichen Pflaster zu sichten. In der Zwischenzeit schauen Sie sich doch ein paar Fotos aus Battambang an und lesen hinterher weiter:
Und, ja, wie gedacht: es waren Pflaster, die eigentlich gegen Reiseübelkeit helfen sollten. Der darin enthaltene Wirkstoff Scopolamin funktioniert ähnlich wie ein Narkotikum und wurde früher als Wahrheitsdroge eingesetzt. Dazu passt ja, was mir eine lang vergessene Deutschlehrerin als angebliches Goethezitat über Bettina von Arnim ins Poesiealbum (Kennen Sie noch? Dann sind Sie offiziell alt!) schrieb:
„Hcftig, eckig, unbeugsam,
innen aber wie ein Lamm,
und mit ganz besond’rer Klarheit,
sucht sie stetig nach der Wahrheit.“
Ich bleibe also bei der Wahrheit und gebe zu: ich schritt einst im Rausch durch Battambang. Unbeabsichtigt, aber. Ich schwöre.



Wenn ich nicht auch im Rausch bin, steht die Uhr auf zwei Minuten nach acht. 😉
LG Nathalie
Himmel, ja! Dann stelle ich mal den Text um, damit die Uhr wieder stimmt.
Das war im ersten Moment sicher alles andere als lustig, aber ich musste jetzt sehr lachen. Berauscht vom Blasenpflaster, da muss mensch erst mal drauf kommen. (Und die Uhr habe ich mir ja sofort mit spiegelverkehrt erklärt).
Vielleicht sollte man Blasenflaster mit halluzinogenen Substanzen versehen und hübsche Werbeslogans dazu tun: „Gehen wie auf Wolken“ oder „Blister up your senses“.
Alle Achtung, dass Du so schnell auf die Idee gekommen bist, es könnte an den Pflastern liegen! Da wäre ich nie drauf gekommen!
Naja, Ausschlussprinzip halt. Aber ich war schon extrem benebelt und konnte kaum einen klaren Gedanken fassen. Es hätte auch übel ausgehen können.
Tolle Geschichte! – Ich wusste gar nicht, dass es dafür auch eine Pflasterlösung gibt! Ich hab’ nur mal diese Akupressurarmbänder bei Globetrotter bestaunt (ich selbst werde glücklicherweise nicht seekrank).
Falls mal Bedarf besteht: die Pflaster sind aus gutem Grund rezeptpflichtig. Sie befanden ich auch wohl nur in der Reiseapotheke, weil sie vom Mann stammten und ich vergessen hatte sie rauszunehmen. Ich nehme sowas nicht. (Außer unbeabsichtigt, siehe oben.)
Da wäre ich nie drauf gekommen. Ich würde immer noch durch Batta .. na, Sie wissen schon, wanken und mich fragen, wieso die Stadt sich eigentlich so anders anfühlt als Berlin.
Na wenigstens funktionieren die Synapsen noch und damit der Selbsterhaltungstrieb. Waren es denn wenigstens offene Blasen, damit der Wirkstoff besonders schnell einziehen konnte 🙂
Ab jetzt bitte besser hingucken, was du da so klebst und schluckst. Wir wollen nämlich noch ne Weile mit der Travelling lady unterwegs sein !!