Weinwelt: Kambodscha.

„I heard it through the grapevine…“ Der gute, alte Marvin Gaye! Mir war da übrigens auch ein Gerücht zu Ohren gekommen*, dass ganz in der Nähe des Tempelbergs Wat Banoen, den man mittels 358 Treppenstufen besteigen kann, ein Weingut geben soll. Da die Travelling Lady den weltlichen Genüssen zugetan ist, möchte sie unter der Rubrik „Weinwelt“ das ein oder andere Weingut auf ihrer Tour besuchen und natürlich auch deren Produkte verkosten. Was liegt also näher, als mit Kambodschas Wein anzufangen?

Die Chan Thay Chhoueng Plantation liegt in einem kleinen Dorf zwischen Battambang und Wat Banoen und sieht auf den ersten Blick aus wie eine ganz normale Tomatenzuchtanstalt in den Niederlanden: mit Folie überspannte Bögen, darunter Erde und Bewässerungssysteme, zentral gelegen die Verkostungs- und Verkaufsstation. Die sichtbaren Weinreben sind allerdings anders als gewohnt, keine am Boden gezogenen und ausgegeizten Stöcke, sondern ziehen sich quasi bis unter die Decke, anders als in diesem Artikel beschrieben. Trauben konnte ich keine finden, obwohl die Ernte in Kürze stattfinden sollte. Angeblich lassen sich aufgrund des guten Klimas bis zu drei Ernten pro Jahr an den 4.000 Rebstöcken erwirtschaften.

Auf meine Frage an die mich durch die Örtlichkeiten führende Mitarbeiterin, ob ich denn die restlichen Weinberge und die Keller besichtigen könne, wurde mir leider gesagt, dass dies derzeit nicht möglich sei. Eine weitere Erklärung erhielt ich auf Nachfrage nicht, was mich stutzig machte.

Später fand ich dann dieses Video (von 2010), was aber auch nicht wirklich erhellend sein dürfte.

Für 2 $ konnte ich dann einen Rotwein sowie den Brandy verkosten. Der Rotwein schien etwas zu süß geraten, obwohl er als die trockene Sorte bezeichnet wurde. Anders als in einer weiteren Wine Plantation wird hier wohl aber kein Palmzucker zugesetzt. Der Brandy wiederum kam sehr sprittig daher. Allerdings verzichtete ich auf den Kauf einer Flasche von beidem.

Wieder bei meinem netten Tuk Tuk-Guide Mr. Bhunta angekommen, erklärte der, dass die Familie früher sehr nett gewesen sei. Aber dann seien sie mit zur Weinplantage hingekarrten Touristen zu viel Geld gekommen und daraufhin heute nicht mehr sehr beliebt. Zumal sie mit dem Geld immer mehr Land gekauft hätten, ihre Angestellten schlecht entlohnten und der Wein, ja, der sei aus dem Ausland, aus China oder Vietnam dazugekauft und vermischt. Richtig anbauen könne man hier keinen Wein, das hätten die Besitzer auch gemerkt. Und später auch die Touristen, denn von den anfänglich bis zu 100 Besuchern pro Tag seien heute kaum noch welche, die den Stopp auf dem Rückweg nach Battambang machen würden.

Aber er wünsche der Familie weiterhin viel Glück, vielleicht würden sie ja mit ihrem Land traditionell Reis für Reiswein anbauen, der sei auch besser für die kambodschanische Seele. Für meine Seele ist es besser, auf kambodschanischen Wein zu verzichten und die nächste Weinprobe erst in Neuseeland zu starten. Ansonsten gilt: bei Gerüchten immer mal nachschauen und sich selbst von deren Wahrheitsgehalt überzeugen. I heard it through the grapevine…

*Nun gut, es stand im Reiseführer, aber es war so hymnisch beschrieben, dass ich da doch gleich mal den Gegencheck machen wollte.

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