Auf Bali kommt man mit Taxi oder Moto-Taxi recht gut von A nach B, und auch günstig, wenn man ein Talent zum Handeln hat. Faustregel: immer mindestens ein Drittel vom verlangten Preis herunterhandeln, dann ist für alle Seiten das Gesicht gewahrt. Oder man nutzt die App „Go-Jek“, die ähnlich wie Uber (und ebenso unbeliebt bei den alteingesessenen Moto-Taxi-Kartellen) Privatleute und aufgeschlossene Moto-Taxifahrer gegen Gebühr zum Personentransport vermittelt. Nun unterscheiden sich die Preise der Moto-Taxis nur um wenige tausend Rupiah von jenen der „Go-Jeker“, aber wer nicht handeln mag, für den ist Go-Jek eine gute Alternative, denn die Festpreise sind klar nach Kilometern berechnet. Außerdem nutzt die App den aktuellen Standort, sodass sich der Weg des Fahrers zum Passagier beobachten lässt. Man kann also noch in Ruhe im Restaurant bezahlen, bevor man direkt vor der Türe abgeholt wird. In Ubud hat das hervorragend funktioniert, und auch in den touristisch stark erschlossenen Orten wie Sanur und Kuta scheint „Go-Jek“ ein probates Transportmittel.
Im Surfer-Örtchen Canggu allerdings ist kein Go-Jeker zu bekommen und die Wege weit. Also musste die Travelling Lady ihre Abneigung gegen Linksverkehr, plötzlich aus dem Gegenverkehr ausscherende Lastwagen und stechende Rauchschwaden von brennenden Reisighaufen überwinden und sich einen fahrbaren Untersatz, sprich: Scooter mieten. Vermieter von 50ccm-Rollern gibt es an jeder Ecke, aber Bali Bike Rental hat auch größere Roller und Motorräder im Angebot, liefert und holt das Bike innerhalb der Region A und agiert sehr professionell.
Nun bin ich nicht ganz unerfahren auf zwei Rädern – hier eine kleine Gedenkminute an meine geliebte Vespa Granturismo daheim, die nun bald bei hoffentlich besserem Wetter von einem Freund samt Frau ausgeführt wird, bis ich wieder von der Reise zurück bin -, aber ich habe einen gehörigen Respekt vor Linksverkehr und den Fahr(un)sitten in anderen Ländern. Und mit den gemieteten 150ccm/12 PS Honda-Plastik sollte das Überholen wenigstens mit etwas Bums stattfinden.
La donna è mobile
Qual piuma al vento,
Muta d’accento
E di pensiero.
Leicht wie eine Feder schwebte von da an die Travelling Lady über balinesische Strand- und Landstraßen, überholte rechts (endlich regulär), hupte aus Leibeskräften und mit ganzer Seele und fühlte sich ganz frei und unbeschwert. Bis sie an einem besonders schönen Morgen in den Fahrstuhl stieg.
Dort stand Andy. Andy aus Südafrika. Nun, er stand nicht, er hing vielmehr in einer Ecke des Aufzugs und hatte diesen Ausdruck im Gesicht, den nur kurz vor dem Exodus stehende Männer mit Schnupfen oder Kater haben. Er blickte mir tief in die Augen, blickte tiefer, ganz tief… – und sah meinen rechten Fuß, den seit gestern eine probate Schürfwunde und eine Hühnereigroße Schwellung zierte. Oh, sagte er, hattest du einen Unfall mit dem Bike? Ich dachte kurz über eine Lüge nach, weil so ein Mopefunfall ja viel cooler ist als das Stolpern über die eigenen Flipflops, den darauffolgenden Treppensturz und die entsetzten Gesichter der Hotelangestellten, verzichtete aber und verneinte nur ohne weitere Erklärung.
Sempre un amabile,
Leggiadro viso,
In pianto o in riso,
È menzognero.
Die Geschichte hätte Andy vermutlich auch nur peripher interessiert, denn er plauderte sogleich los: er sei mit seinem Scooter unterwegs gewesen, das Surfboard an der Seite angeklemmt, und da sei ihm dieser Idiot doch reingebrettert. Der Außenspiegel habe sich in seinen Oberschenkel gebohrt und es habe 16 (!) Stiche gebraucht, um die Wunde zu schließen. Zum Beweis schob er seine Schlodderhose bis fast zum Anschlag hoch und zeigte mir das beeindruckend akkurat geklebte Pflaster. Aha, sage ich. Deine Wunde ist aber auch ganz schön, sagte er. Und dann wollte er sich mit mir auf der Dachterrasse zu einem Drink verabreden. Veteranen-Trinken. Und über das Leben plaudern.
Blöd nur, dass ich so gar keine Lust hatte, mit Andy über seine Malaisen oder sein Leben zu sprechen. Jammernde Männer sind der Travelling Lady ein Gräuel. Und so schlich ich mich bei meiner Rückkehr von einem Ausflug zum Tempel Tanah Lot lieber durch die Tiefgarage zum Aufzug, als dem in der Lobby sitzenden Andy noch einmal in die Hände zu fallen.
Pur mai non sentesi
Felice appieno
Chi su quel seno,
Non liba amore!
Andy, falls du das hier liest: es tut mir leid. Aber Weiberherzen sind eben leicht wie eine Feder unterwegs.
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Genau!
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Ich denk an dich u pass auf dich auf u vergiss deine Hausaufgaben nicht ?