Good Bye, Bali.

Am Ende einer jeden Reise steht ein Fazit. Eines, das sehr individuell geprägt ist und variiert von „superduper, dahin will ich auswandern!“ bis „grauenhaft, fahre ich nie wieder hin!“. Bali, also.

Bali ist das „Love“ in der unsäglichen Bestsellerverfilmung „Eat, Pray, Love“ von Elizabeth Gilbert. Nicht, dass die Romanvorlage besser gewesen wäre; sie verklebt eine unschöne Diagnose – „Depressionen“ – mit Selbstfindungskitsch und Healing-Esoterik vom Feinsten. Was ich dem Film zugute halten will, sind die schönen Bilder aus Bali, und hier im wesentlichen aus Ubud und den Reisfeldern. Als ich so durch ebenjene Felder wanderte, kam mir in den Sinn, wie grau es doch für Menschen mit einer Grünschwäche auf der Insel der Götter sein muss. Denn Bali ist knallgrün, dunkelgrün, blassgrün, blaugrün, hellgrün, graugrün…

Natürlich besticht Bali auch noch durch weit mehr Farben. Auch in Sachen Bevölkerung. Die rund vier Millionen Bewohner Balis setzen sich aus rund 90 Prozent ethnischen Balinesen, fünf Prozent Chinesen und fünf Prozent weiteren Ethnien und Einwanderern zusammen. Der Anteil letzterer steigt insbesondere durch javanische Zuwanderer von der dichtbesiedelten Hauptinsel Indonesiens, die ihr Glück in der Tourismusbranche versuchen. Dies birgt durchaus Konfliktpotenzial, denn die Neuhinzugezogenen sind in der Regel Muslime. Denn obwohl der Rest des Inselstaates Indonesien zu fast 90 Prozent muslimisch (sunnitische Ausrichtung) geprägt ist, hat Bali eine Bevölkerung, die zu 90 Prozent der hinduistischen Religion zugehörig ist, und deren Alltag sich eng an dieser orientiert.

„Wie schade, dass Sie Bali Morgen verlassen. Sie sollten bis zum Silent Day (Nyepi) hierbleiben und mithelfen, Ogoh Ogohs zu verbrennen.“

Dies sagte die zauberhaft in eine Kebaya, eine traditionelle Bluse, und einen Kain Panjang – ein gewickelter Rock, oftmals fälschlich als Sarong bezeichnet (ein klassisch männliches Kleidungsstück) – gewandete Rezeptionistin des etwas in die Jahre gekommenen Hotels in Denpasar. Ogoh Ogohs sind kunstvoll gestaltete, aus auf Drahtgerüste aufgezogenem Pappmachée gearbeitete, Dämonenfiguren, die am Abend vor Nyepi verbrannt werden. Gern hätte ich mir das angesehen und auch den Tag der Stille, den höchsten balinesischen Feiertag, miterlebt.

Denkmal im Puputan-Park, Denpasar

Die tiefe Einbettung der Balinesen in ihre Religion fand ich sehr anrührend, ebenso wie die zurückhaltende Freundlichkeit der Menschen. Man ließ mich in Ruhe, ließ mich teilnehmen, wenn ich wollte. So zum Beispiel beim sonntäglichen Abendjogging rund um den Puputan-Park. Der Puputan-Park steht übrigens für eine Tragödie. Angesichts der Eroberung der Insel durch niederländische Kolonisatoren 1906 wählten die Herrscher von Badung (Denpasar) für sich und ihr Gefolge den rituellen Massenselbstmord, eben den „Puputan„.

Als Kontrastprogramm zu dem vorgenannten Buch/Film „Eat, Pray, Love“ und zu dieser Thematik empfehle ich Vicki Baums Kolonialbeschreibung „Liebe und Tod auf Bali“, das in eine lang vergessene Zeit entführt und mitnichten ein Liebesroman ist. Vicki Baum besuchte 1937 Bali und traf dort in Ubud den Komponisten und Künstler Walter Spies und weitere frühe Expatriots.

Mein Fazit: Was kann man nach zehn Tagen Bali anderes sagen, als dass es zu kurz war? Zu kurz in Ubud, für das ich das nächste Mal ein Motorrad mieten würde. Zu kurz, um mich wirklich der Kultur Balis zu widmen. Zu kurz, um die Natur wirklich zu erfahren. Es scheint, als müsste ich noch einmal nach Bali kommen.

Empfehlungen für Unterkünfte

Air Ubud – die zauberhafteste B&B-Unterkunft in den Reisfeldern Ubuds

Frii Echo Beach Hotel Canggu – günstig, sehr professionell und modern (es gibt auch Familienzimmer), mit Tiefgarage für Scooter und Surfbretter

Inna Bali Hotel Denpasar – nicht mehr ganz Up to date und ein bisschen schrammelig, aber hey: hier hat schon mal die Queen übernachtet!

 

Weiterführende Links und Infos

Wer sich aktuell über Balis Events, die neuesten Restaurants, Bars oder Geschehnisse informieren möchte, kann dies hier tun.

Einen guten Überblick über Bali gibt die Seite Bali-Insider des Österreichers Peter Ganster.

Interessante Einblicke in das indonesische und balinesische Leben bietet diese australisch editierte Site.

Und natürlich gibt es auch eine Seite für Expatriots in Indonesien, mit vielen Hintergrundstories auch zu Bali.

Ein Gedanke zu “Good Bye, Bali.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert