Wir sind Helden.

Die neuseeländische Freundin hatte 2015 in der Lotterie gewonnen. Einmal Gallipoli und zurück. Ach, Türkei, schon schön da, sagen Sie, aber vielleicht ein bisschen weit weg für urlaubende Neuseeländer, da läge Bali doch deutlich näher.

Bali war aber nicht Schauplatz einer der scheußlichsten Kämpfe des ersten Weltkriegs. In Gallipoli verloren am und um den 25. April 1915 fast 12.000 Neuseeländer und Australier sinnlos ihr Leben. Die Landung an der türkischen Küste war schlecht geplant und der unerwartet erbitterte Widerstand der mit Deutschland verbündeten, türkischen Armee überraschte die Kämpfer. Der Jahrestag der Schlacht von Gallipoli ist seit vielen Jahren ein nationaler Gedenktag sowohl in Australien als auch Neuseeland. Für Australien gilt die Teilnahme an dieser Schlacht als Geburtsstunde einer geeinten Nation. Entsprechend pompös wird an dem sogenannten ANZAC-Tag gefeiert, paradiert und still der Toten und Helden gedacht. Für Neuseeland gilt ähnliches, wenn auch in deutlich kleinerem, zurückhaltenderem Rahmen.

Neben den ausführlich erzählten Geschichten der Kämpfer wird auch die Arbeit der Kriegsärzte und Krankenschwestern gezeigt.

Aber Neuseeland hat da einen Regisseur an der Hand, der sich mit großen Schlachten auskennt. Dass Peter Jackson, der Herr der Ringe und Hobbits, an der großen Gedenkausstellung zu Gallipoli* im Wellingtoner Nationalmuseum Te Papa mitgewirkt hat, ist offensichtlich. Die Meister aus seinen Produktionsstudios stellten überlebensgroße Figuren einzelner Kriegsteilnehmer her, anhand derer sich die Geschichten rund um die Schlacht personalisiert entwickeln. Das interaktive Konzept führt auf ebenso behutsame wie eindrückliche Weise vor, wie die Kämpfer zweier junger Einwanderer-Nationen litten und dennoch und vielleicht auch teilweise gerade deswegen ein ganz eigenes Nationalgefühl entwickeln konnten. Eine Ausstellung, wie ein Film von Peter Jackson, eben. Gleiches in der Ausstellung des Omaka Aviation Heritage Centers über die Helden der Fliegerei im 1. und 2. Weltkrieg in Blenheim – ebenfalls von Peter Jackson und seinem Team mitgestaltet und mit Privatflugzeugen aus der Sammlung des Regisseurs angereichert.

Die russische Fliegerin Lydia Litvyak wird ebenso informativ in Szene gesetzt wie der „Rote Baron“ Manfred von Richthofen und andere Helden der Luftfahrt – ja, als das werden sie in der Ausstellung in Blenheim gesehen.

Beide Ausstellungen sind sehenswert – und nachdenkenswert. Denn Deutschland muss schon sehr weit in der Geschichte zurücbklicken, um seine Helden zu entdecken. Kriegshelden gar sind seit ungefähr 150 Jahren nicht mehr en Vogue. Was im Übrigen auch gut so ist, denn weder die Glorifizierung einzelner Soldatenschicksale noch die Überhöhung einzelner Heeresführer und Generäle taugten dazu, Krieg als letztes – und in den meisten Fällen unnötiges – Mittel der Kommunikation zu rechtfertigen.

Helden sind wichtig. Sie sind Identifikationsfiguren, können bewegen, berühren und helfen eigene Leitbilder anzustoßen oder zu überprüfen. War da nicht einmal etwas mit „Deutschland, Land der Dichter und Denker“, das Land der Musiker und Komponisten? Wo sind sie geblieben, die Heldinnen und Helden, deren Namen auch noch in hundert Jahren mit Ehrfurcht genannt werden?

Wir brauchen neue Helden, so scheint mir. Heldinnen vor allem. Das wäre doch einmal etwas Neues.

Zum Schluss gebe ich Ihnen noch in Memoriam die Helden David Bowies mit. We could be heroes.

*läuft noch bis April 2019

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