Am Ende einer Reise steht immer ein Eindruck, ein Fazit des Landes. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob meine Reise durch oder nach Chile bereits beendet ist, denn: ich habe ja noch eine Wüste offen. Vamos a ver!
Nach fast zwei Monaten Leben, Arbeiten und Reisen in Chile (und Santiago) ist es schwer, ein objektives Fazit zu ziehen. Ein Land und seine Bewohner zu verstehen, wenn man die Sprache nur unzureichend spricht, ist ungleich schwerer. Noch mehr, wenn die Sprache nur ansatzweise etwas mit dem Spanisch zu tun hat, das ich einst an der Uni versucht habe zu lernen (ohne nennenswerten Ehrgeiz und damit auch Erfolg). Das Beherrschen des Chileno Modernismo gibt dem Fremden erst die Street Credibility. Von Wea, Weon über Chuta und weitere Phrasen gilt es, sich dann noch in den genuschelten Singsang der Chilenen einzuhören.
Umso besser, wenn einen dann jemand an die Hand nimmt und einen kleinen Blick unter die Oberfläche gewährt. Dorthin, wo das Herz sitzt. Das schlägt sehr traditionsbewusst und bei den Herren durchaus mit Machismo. Und vor allem für das Land selbst und seine Vielfalt: das gute chilenische Bier! Crudo! Sopaipillas! Alles mit Meeresfrüchten! Pisco Sour (igitt)! Sogar die vielen Erdstöße und kleinen Erdbeben werden mit einer gewissen Befriedigung wahrgenommen, denn schließlich: das ist Chile!
Die Familie geht über alles, es sei denn, man ist die Mittwochs- oder Donnerstagsfrau und wird an diesen Tagen diskret in ein Stundenhotel ausgeführt – der Chilene an sich hat ein großes Herz für die Damenwelt. Die Chileninnen nehmen es mit Humor und legen dann und wann telenovelareife Szenen hin, wenn sie den Mann nicht einfach irgendwann vor die Tür setzen oder sich mit einer kleinen Affäre revanchieren. Bei aller Tradition: an Selbstbewusstsein mangelt es den Frauen hier nicht. Wie schade, dass ich die wirklich tollen Frauen erst so spät kennengelernt habe. Chapeau, Mesdames!
Als längstes Land der Welt hat Chile auch noch eine beeindruckende Bandbreite an Landschaften – viel zu viel Land, um alles in so kurzer Zeit sehen und entdecken zu können. Durchatmen lässt es sich am besten im Süden, in Patagonien. Dort, wo die Erde auf einer anderen tektonische Platte schon nicht mehr atmet und vibriert und stattdessen ein antarktischer Wind weht. In Valdivia und Umgebung sieht es aus wie im Weserbergland oder wahlweise der schwäbischen Alb, je nach Meinung der dort lebenden Deutschstämmigen, während in nicht allzu weiter Entfernung Vulkane zu sehen sind oder der feuchte Pazifikwind die Kleidung in den Schränken schimmeln lässt. Und dann so vieles mehr, das es zu sehen gilt.
Aber nun bin ich in Buenos Aires und habe ein neues Land zu entdecken, ein Land, mit dessen Bewohnern gerade die traditionsbewussten Chilenen eine Hassliebe verbindet. Da wird gern mal über den Nachbarn auf der anderen Seite der Anden gelästert und gestänkert – umgekehrt übrigens genauso…
Ich habe Chile ein kleines Stück meines Herzens geschenkt. Und eine etwas ungewollte Zimmerpflanze. (Please, try not to kill her immediately, ok?) Wenn beides gut gepflegt wird, komme ich vielleicht noch einmal zurück.
Also: vamos a ver!































