Schönheit in Nöten: Valpo.

Hafenstädte sind ja so eine Sache für sich. Manche nehmen einen nach Knoblauch und billigem Fusel riechend fest in den Arm und bieten ihren ganzen aufgeschminkten Charme auf, weil man das mit Reisenden und Matrosen so macht. Schließlich wird für die Liebe gezahlt, das wissen alle und sind es zufrieden.

Valparaíso, die Schöne am Pazifik, ist auch so eine Hafenhure. Hübsch angemalte Fassaden, dunkle Ecken in einem schier unübersichtlichen Häusermeer und ein rauer Wind vom Ozean bringen den Reisenden dazu, sich gleichzeitig zuhause und verloren zu fühlen. Wohl deshalb wurde Valparaíso schon vielfach besungen, aber dass ein Punkrock-Musiker einen Film über eine Stadt – seine Geburtsstadt – macht, ist auch eher selten und wenn es dann noch der Bassist der von mir sehr verehrten Band „Die Ärzte“ ist, wird es noch interessanter. Mit „El Viaje“ nähert sich der 1968 in Valparaíso geborene Rodrigo „Rod“ Gonzalez nicht nur seiner eigenen Familiengeschichte, sondern skizziert auch die Heroen der Protestmusik der „Nueva Cacion Chilena“, die eine ganze Generation von Musikern prägten.

(Mit den Musikern Macha, der Band Chico Trujillo, Alonso Nuñez, Camila Moreno, Eduardo Carasco, Eduardo Yañez, Mauricio Castillo “Chinoy”, Gaston Avila u.m. – vielleicht läuft der Film demnächst noch einmal im Fernsehen)

Valparaíso hat scheinbar unendlich viele wilde und künstlerisch ansprechende Graffitis, ist mit seiner historischen Altstadt nicht nur Teil des UNESCO-Weltkulturerbes, sondern gilt eben auch als heimliche Kulturhauptstadt des Landes und wird besonders im Sommer von Scharen von Kreuzfahrttouristen heimgesucht.

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Neben allen schönen Ecken hat Valparaíso aber auch ein enormes Schuldenproblem, das sich besonders im Bildungssektor niederschlägt. Ansätze für eine Verbesserung der Situation lassen sich in einem Stadt- und Entwicklungsplanungskonzept bis 2030 finden. Aber auch private Initiativen und Projekte arbeiten kontinuierlich an der Verbesserung der Infrastruktur und Bildung.

Valparaíso ist eben nicht nur die Schlampe, die Schöne und das Biest zugleich, sondern auch eine ganz normale Großstadt in Lateinamerika. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Gern auch mit einem Blick hinter die Fassaden.

Links und Empfehlungen
Übernachtung
Mandala Hostel. Nette kleine Unterkunft mit einer sehr freundlichen Gastgeberin in einem verwinkelten Haus. Es gibt ein sehr hübsches Gemeinschaftszimmer mit Grill auf dem Balkon und ein gutes Frühstücksbüffett sowie eine Gemeinschaftsküche. Tipp: Ohrenstöpsel mitnehmen, denn die Dielen knarzen sehr, wenn andere Bewohner in ihren Zimmern laufen.

Essen
Restaurant Fauna (im gleichnamigen Hotel).

Aktivitäten
Natürlich das Museum von Pablo Neruda in seinem Haus „La Sebastiana“. Eine Hafenrundfahrt in einem Boot („Lancha“). Spaziergänge durch die Gassen und Straßen und eine Fahrt in einem der Aufzüge, z.B. zum Mirador und dann zurück zu Fuß durch enge Gässchen.

 

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