„Bienvenue dans un monde nouveau…“
Ushuaia. Das klingt nach exotischer Südsee, Palmen und weißem Strand, nicht wahr? Sie stellen sich sicherlich auch so etwas vor? Tut mir wirklich leid, aber: nichts davon erfüllt diese kleine Stadt am südlichen Ende Argentiniens. Denn die knapp 80.000 Einwohner leben in einer Ansammlung von verstreuten Häusern, darunter auch etliche, noch von der Regierung Kirchner in den letzten Jahren geförderte Sozialbauten. Das Zentrum Ushuaias besteht aus einer einzigen Einkaufsstraße, in der sich alle erdenklichen Outdoor-Marken finden für die vielen Sommertouristen, die hier entweder in den Nationalpark oder als Tagestouristen von einem der Kreuzfahrtschiffe in die Stadt einfallen. In der Sprache der Ureinwohner Yámana heißt die Stadt soviel wie „Bucht, die nach Osten blickt“, und damit wäre eigentlich schon alles gesagt.
Warum ich dennoch unbedingt noch einmal ans kalte Ende der südlichen Hemisphäre wollte?
Wegen einer auf TF1 ausgestrahlten Abenteuersendung namens „Ushuaia“ mit dem überaus attraktiven Moderator Nicolas Hulot. Diese sah ich in meiner Zeit in Paris gern, während ich auf den Verlobten wartete, der immer recht spät von der Arbeit kam. „Bienvenue dans un monde nouveau“ – Willkommen in einer neuen Welt – war der Einstiegssatz in die Sendung. „Ushuaia“, die kleine Stadt nur 900 Kilometer von der Antarktis entfernt, als Synonym für eine neu zu entdeckende Welt. Das Ende der Panamericana, einer der Traumstraßen der Welt, befindet sich dort, am Kilometer 3.079 (Entfernung nach Buenos Aires) und nach rund 25.740 Kilometern (Beginn nördlich von Delta Junction in Alaska). Ein Stückchen habe ich sie schon in und um Santiago de Chile befahren. Deswegen.
Und wegen des Lichts. Der Himmel im Süden ist so klar und weit, dass man glaubt, den direkten Kontakt zu Gott aufnehmen zu können. Einfach hochschauen und in dieses opalene Blau hineinschreien: „Hey, du! Mach die Erde wieder heil! Du bist schließlich verantwortlich für den ganzen Kram hier!“* Denn es ist dringend nötig, dass hier etwas passiert. In nicht ganz so weiter Entfernung bricht nämlich gerade in riesiges Stück Schelfeis ab. Die Temperaturen sind schon lange höher als im Langzeitmittel. Patagoniens Gletscher schmelzen dahin. Der Meeresspiegel wird ansteigen, ob wir wollen oder nicht. Anderswo gibt es kein Wasser mehr und auch kein Leben. Sie halten das alles für Schwarzseherei, für naives Apokalyptikgeschwafel? Bitte, geschenkt. Aber so eine Reise öffnet auch ein wenig die Augen für die Schönheit, in der wir uns befinden, und die wir nicht zerstören dürfen. Schauen Sie sich doch die Fotos an, dann verstehen Sie vielleicht, was ich meine:
Dieses Ende der Welt macht etwas mit Einem. Ich habe jetzt ein Tattoo. Auch das kann das Ende der Welt mit einem machen. Alte Wünsche erfüllen. Hallo Gecko, neuer und dauerhafter Lebensbegleiter.
*Nein, ich glaube nicht an Gott. Aber es war so eine hübsche Umschreibung. Ich konnte nicht anders. Verzeihen Sie mir.











