Wie bitte? Was ist denn das? Das sieht ja sehr seltsam aus. Kann man das essen? Und wie spricht man das überhaupt aus? Wie Putin, Pute oder Puh der Bär?
Jeder, der das erste Mal mit diesem traditionellen kanadischen Fast Food in Berührung kommt, hat sein persönliches Aha-Erlebnis. Dieser Mischma(t)sch aus Pommes frites, quietschendem Brocken-Cheddar, dem berühmten „fromage en grains“ und Bratensauce.
Meines war definitiv die Bratensauce – „Gravy“ -, die mich ins England der späten 1980er Jahre zurückversetzte. In der Schule in der Nähe von Manchester, die ich damals besuchte, gab es mittags in der Kantine ausschließlich Essen, das mit Unmengen von Gravy übergossen war: Pizza mit Gravy, Pasta mit Gravy, Gravy mit Gravy. Man muss davon ausgehen, dass diese urenglische Bratensauce einen ungeahnten Nährwert besitzt. Anders kann ich mir nicht erklären, dass auch meine Gastfamilie, obgleich allen Kräutern des mediterranen Kulturkreises sehr zugetan, ihre ganz eigene Gravy fabrizierte und sowohl über die morgendlichen Frühstückseier als auch an alles Grüne aus dem Garten (Kugellagererbsen!) goss. Gravy ist für mich die Zutat gewordene Margaret Thatcher. Warum also ausgerechnet eben diese Sauce auf knusprige Pommes frites und leicht angeschwitzten Cheddarkäse bringen?
Das Resultat ist niederschmetternd. Die Pommes werden in Sekundenschnelle weich und labberig, es sei denn, sie sind doppelt fritiert, dann brauchen sie eine halbe Minute länger. Die Käsekrümel verstecken sich zwischen den Pommes und kuscheln sich in die Sauce, bis sie nicht mehr quietschfähig sind. Wer dann noch den sonstigen Zutaten, z.B. Pulled Pork oder gerösteten Zwiebeln nachspürt, bekommt es ebenfalls mit der Gravy zu tun. Hinterher ist man sehr satt und fühlt sich etwas schwer.
Die ganz eigene Gravytät der Poutine, also.
In Montreal und Quebec gibt es unzählige Möglichkeiten, sich mit der Poutine bekannt zu machen. Einfach durchprobieren. Wer das Gericht auch in Deutschland kosten möchte – die Imbisskette Frittenwerk ist in einigen deutschen Großstädten vertreten und bietet Poutine an. In Berlin hat sich die Streetfood-Manufaktur „The Poutine Kitchen“ der kanadischen Küche verschrieben. Und der Frittiersalon in Friedrichshain hat Poutine ebenfalls auf der Speisekarte. Wohl bekomm’s.