Vespristi auf Bali.

Es wird schon wieder italienisch. Nachdem erst kürzlich der Rigoletto abgehandelt wurde, muss nun das ureigenste italienische Produkt auf zwei Rädern dran glauben. Auf Bali, und insbesondere in Ubud, stehen sie an allen Ecken und Enden und verweisen mit ihrem zeitlos kurvigen Design alle japanischen Plastikchassismodelle auf ihre Plätze: Vespas. Von 1972 bis 2001 übrigens als Lizenzprodukt eines indonesisch-dänischen Joint Ventures auf Java gebaut – und in den seltensten Fällen aus Italien importiert. Natürlich wurde die Travelling Lady sehr, sehr neugierig, als sie die Aufkleber auf einigen alten Vespas sah. Und auch der stilsichere Denpasaraner hatte einen geheimnisvollen Sticker an seinem Gefährt. Das wollte sie doch genauer wissen…

It’s a Boys‘ World
Leider hat es dann trotz diverser E-Mails doch nicht mit einem Treffen geklappt, aus vielerlei Gründen, aber vielleicht dem wichtigsten: sie sind sich selbst treu. Und sie sind Jungs, und Jungs bleiben in ihrer Brotherhood unter sich. Der Dewata Scooter Club Bali ist ein loser Zusammenschluss von Vespa- und Scooter-Enthusiasten, deren fahrbare Untersätze oft nicht mehr sehr viel mit dem Ursprungsmodell gemein haben. Sie treffen sich in der Regel samstags, fahren gemeinsam aus und was dann am Ziel ihrer Tour passiert, hat der Australier Don Silcock in seinem Blog Nomadicpixel beschrieben und bebildert. Noch ein Jungsclub, aber nur echt mit Emblem und Kutte: die Vespa Cowboys Bali.

Die Fans klassischerer Modelle haben sich unter Tua Berasap (frei übersetzt: alter Rauch) zusammengefunden – Ausflüge müssen natürlich sein und werden ausgiebig auf Youtube dokumentiert.

Bei dieser Vereinigung sind übrigens auch Mädels willkommen! Hier noch ein Video vom Vespa Mods MayDay 2015 – und mir geht das Herz auf!

Auf den Geschmack gekommen? Wer sich auf der Insel eine restaurierte Vespa zulegen und nach Europa exportieren will, wird bei Bene Asai oder AJS fündig. Aber, Achtung – nicht alles, was als „alt“ und „original“ angeboten wird, ist es auch…

Neu auf dem Markt…
Natürlich kann man sich auch bei Piaggio/Vespa Indonesia ein neues Modell kaufen. Nachdem die Vespa-Produktion in Indonesien nicht mehr weitergeführt wurde, hat nun Vespa/Piaggio sein Vertriebsnetz auch nach Asien ausgeworfen – und macht sich Events wie das 2015 unter dem Motto „Friendship for all Nations“ durchgeführte Vespa-Festival zum indonesischen Unabhängigkeitstag am 17. August zu eigen, um es in die Community-Ansprache einzubinden. Das Festival feierte übrigens nicht nur die Unabhängigkeit sondern auch die Erinnerung an die Rivalitäten der Mods und Rocker im England der 60er – und um die heutige Diversität auf zwei Rädern zu zeigen.

und alte Erinnerungen
Erinnert sich eigentlich noch jemand an den Film Quadrophenia? Mit einem extrem coolen Sting als Ace auf seiner vercromt glänzenden Vespa? Dieser Film war übrigens Schuld daran, dass ich mit 16 meine erste Vespa haben wollte. Die Travelling Lady trug damals übrigens noch keine eleganten Kleider sondern einen alten Parka, Chucks oder Doc Martens und fuhr ihre kleine blaue PK 80 S über hessische Landstraßen. Aber wir sind ja in Bali, und nun ist es auch gut mit der Hymne auf die Vespristi.

La donna è mobile.

Auf Bali kommt man mit Taxi oder Moto-Taxi recht gut von A nach B, und auch günstig, wenn man ein Talent zum Handeln hat. Faustregel: immer mindestens ein Drittel vom verlangten Preis herunterhandeln, dann ist für alle Seiten das Gesicht gewahrt. Oder man nutzt die App „Go-Jek“, die ähnlich wie Uber (und ebenso unbeliebt bei den alteingesessenen Moto-Taxi-Kartellen) Privatleute und aufgeschlossene Moto-Taxifahrer gegen Gebühr zum Personentransport vermittelt. Nun unterscheiden sich die Preise der Moto-Taxis nur um wenige tausend Rupiah von jenen der „Go-Jeker“, aber wer nicht handeln mag, für den ist Go-Jek eine gute Alternative, denn die Festpreise sind klar nach Kilometern berechnet. Außerdem nutzt die App den aktuellen Standort, sodass sich der Weg des Fahrers zum Passagier beobachten lässt. Man kann also noch in Ruhe im Restaurant bezahlen, bevor man direkt vor der Türe abgeholt wird. In Ubud hat das hervorragend funktioniert, und auch in den touristisch stark erschlossenen Orten wie Sanur und Kuta scheint „Go-Jek“ ein probates Transportmittel.

Im Surfer-Örtchen Canggu allerdings ist kein Go-Jeker zu bekommen und die Wege weit. Also musste die Travelling Lady ihre Abneigung gegen Linksverkehr, plötzlich aus dem Gegenverkehr ausscherende Lastwagen und stechende Rauchschwaden von brennenden Reisighaufen überwinden und sich einen fahrbaren Untersatz, sprich: Scooter mieten. Vermieter von 50ccm-Rollern gibt es an jeder Ecke, aber Bali Bike Rental hat auch größere Roller und Motorräder im Angebot, liefert und holt das Bike innerhalb der Region A und agiert sehr professionell.

Nun bin ich nicht ganz unerfahren auf zwei Rädern – hier eine kleine Gedenkminute an meine geliebte Vespa Granturismo daheim, die nun bald bei hoffentlich besserem Wetter von einem Freund samt Frau ausgeführt wird, bis ich wieder von der Reise zurück bin -, aber ich habe einen gehörigen Respekt vor Linksverkehr und den Fahr(un)sitten in anderen Ländern. Und mit den gemieteten 150ccm/12 PS Honda-Plastik sollte das Überholen wenigstens mit etwas Bums stattfinden.

La donna è mobile
Qual piuma al vento,
Muta d’accento
E di pensiero.

Leicht wie eine Feder schwebte von da an die Travelling Lady über balinesische Strand- und Landstraßen, überholte rechts (endlich regulär), hupte aus Leibeskräften und mit ganzer Seele und fühlte sich ganz frei und unbeschwert. Bis sie an einem besonders schönen Morgen in den Fahrstuhl stieg.

Dort stand Andy. Andy aus Südafrika. „La donna è mobile.“ weiterlesen

Ameisen in meinem Bett.

Oder auch: Verschwitzt.

(Bitte lesen Sie nicht weiter, wenn Sie Beschreibungen körperlicher Zustände nicht mögen. Ansonsten müssen Sie da jetzt einfach durch.)

Als ich diesen Text schrieb, krabbelten kleine, federleichte Ameisen über meine Arme und bei Ihnen war es sieben Stunden früher als hier, an meinem Schreibtisch inmitten von Reisfeldern, mit Blick in den Wald. Hier ist alles grün, denn ich bin in Ubud, auf Bali.

Ein balinesischer Tagesablauf fängt übrigens nicht mit Ameisen im Bett an, sondern mit Hähnen. Ich wachte das erste Mal um halb sieben auf, denn die bewussten Hähne – und davon gibt es gefühlt 50 in der näheren Umgebung – veranstalteten ein Wettkrähen. Ich nahm die Geräusche als „gehört ab sofort halt dazu, wenn man in der Natur wohnt“ in mein Akustikgedächtnis auf und schlief wieder ein, bis der Wecker um halb acht den Morgen für begonnen meldete.

Schnell ins Bad, die Kontaktlinsen einsetzen, kurz über das Gesicht feudeln, Haare zusammenknüddeln und in die Sportklamotten springen. Raus aus dem Haus und eine halbe Stunde Intervalllaufen zwischen Reisfeldern. Mehr geht bei 28 Grad vor acht Uhr morgens auch nicht. Außer mir war nur der Hausherr mit seinem hechelnden Golden Retriever Leon auf der Morgengassirunde unterwegs. Wir grüßten uns, wie auch alle Arbeiter auf den Reisfeldern immer ein freundliches Lächeln und ein „Good Morning“ für mich übrig hatten. Die Menschen hier sind an Touristen gewöhnt, aber das ist es nicht, es gibt eine Grundfreundlichkeit der Balinesen, die unaufdringlich ist, ganz anders als jene in Thailand, bei der hinter vielen lächelnden Lippen die Dollarzeichen blinken.

Zurück im Haus, duschte ich, wusch mir die Haare, nur um verzweifelt die Abwesenheit jeglicher Frisur zu bejammern. Meine Haare sind keinesfalls für tropische Temperaturen gemacht. Sie kringeln sich, werden wattig oder stehen gleich ganz zu Berge, wenn sie nicht einfach nur schlapp machen. Einzige Alternative zur Frisur: ein halbwegs geknüdelter Dutt. Die Kreuzköllner Hipster-Dutts wurden garantiert in den Tropen erfunden.

Dann ging ich zum Frühstück in den Kreativraum. Der heißt nicht nur so, meine Nachbarin arbeitet dort auch tatsächlich an ihren Fotoprojekten. Morgens um neun ist sie allerdings noch nicht auf, und sie frühstückt lieber in ihrem Zimmer. Dafür leistete mir Kaya Gesellschaft. Kaya und Ida sind die Hofkatzen. Kaya legte sich einfach mitten auf den riesigen Tisch und sah sehr zufrieden aus. In meinem nächsten Leben möchte ich gern als Katze wiedergeboren werden. Gern auf Bali, gern in diesem Haus. Ihnen geht es gut.

Ich trödelte ein wenig herum, schrieb einige E-Mails und rief Robert an, den Fahrer, der mich am ersten Tag von A nach B gebracht hatte, und der sehr freundlich und auch günstig war. Ich buchte ihn gleich für den nächsten Tag, denn ich verlasse Ubud und fahre an die Küste, nach Canggu, juvenile Surferkörper betrachten. Ich stand ein oder zweimal in meinem Leben auf einem Surfbrett und verstehe diese Sportart nicht. Aber es sieht halt gut aus.

Dann machte ich mich auf den Weg ins Dorf. „Ameisen in meinem Bett.“ weiterlesen

Airport-Check (2): Kuala Lumpur.

Der Flughafen Kuala Lumpur International (KLIA) besteht aus mehreren Terminals, ähnlich wie Tegel. Während Tegel zusätzlich zu seinem Oktagon-Terminal noch drei Terminalerweiterungen hat – C, D und E -, die durch enge, verwinkelte Gänge miteinander verbunden sind, so hat Kuala Lumpur nur zwei Terminals. Den KLIA und den Satelliten für Billigflieger, CLIA. Ich kam am International an, weil ich von Phnom Penh aus die ganz normale Verbindung mit Malaysia Airways nach Bali gebucht hatte.

Der Weg von meinem Ankunftsgate zum Weiterfluggate war sage und schreibe 50 Meter und zwei Toilettenservicestationen entfernt. In Tegel sind sie zwar im Terminal A hübsch an fast jedem Gate zu finden. Aber man kommt sich doch eher vor wie in einem Zwergenland, denn mit Rucksack und Handtasche ist schwer in die Kabinen zu kommen, die Ausstattung ist SEHR zweckmäßig, während an den meisten anderen Flughäfen noch Beduftungsstäbchen für angenehmen Geruch sorgen, bisweilen Kosmetikartikel bereit liegen und der Platz in den Kabinen großzügig bemessen ist. Aber Tegel ist eben eine alte Dame, die schon mal ein bisschen streng riecht.

Mein Weiterflug nach Bali ging recht knapp nach meiner Ankunft, aber ein wunderbares Detail möchte ich Ihnen nicht vorenthalten: E-Book-Ladestationen. Und zwar nicht für Strom, sondern zum Download von E-Books. Kostenlos. Ist das nicht toll? Weg vom Smartphone, hin zum digitalen Buch. Endlich mal wieder etwas lesen! So etwas brauchen wir am BER auch.

Leider konnte ich das Angebot nicht überprüfen, da ich schnell durch den Safety Check musste. Wenn einer der geneigten Leser meine Entdeckung verifizieren könnte…?

Good Bye, Kambodscha.

Am Ende einer jeden Reise steht ein Fazit. Eines, das sehr individuell geprägt ist. So mancher schreibt über Müllberge, häufige Stromausfälle oder wackeliges Internet. Andere finden alles superrelaxt, authentisch und außerdem gibt es ja so leckeres Essen! Jeder erlebt sein Kambodscha anders.

Kambodscha ist nicht so lieblich wie Thailand, nicht so energetisch wie Vietnam und mit Sicherheit ärmer als alle beiden Staaten zusammen. Ein bisschen so wie die kleine Schwester, die nicht so richtig was abbekommt von der Schokolade, weil alle anderen schneller waren. Oder die sich eben etwas langsamer entwickelt.

Neben der besonders auf dem Land spürbaren Armut steht die von Investoren aus China, Japan und Vietnam geprägte Wirtschaft rund um die Großstädte. Glaspaläste, riesige Gewerbegebiete und perfekt asphaltierte Straßen (eine Seltenheit) prägen deren Ansiedlungen. Der amtierende Premierminister Hun Sen nutzt seine noch aus Zeiten der Roten Khmer herrührenden Kontakte und Netzwerke und hat sich und seiner Familie damit eine feste Machtposition gesichert – und nebenbei ein Vermögen von rund 200 Millionen Dollar! Damit hat er nicht nur monetär die Fäden in der Hand sondern auch den derzeitigen König Norodom Sihamoni, dessen Vermögen im Vergleich zu anderen Monarchen geradezu lachhaft erscheint, und dessen eher spirituelle Ausrichtung der konstitutionellen Monarchie weit von der Widerstandsfähigkeit seines Vaters Sihanouk gegenüber Hun Sen entfernt ist.

Diese Spannungslosigkeit hat Folgen. „Good Bye, Kambodscha.“ weiterlesen

Pfeffer und Kuchen.

Wer hat nicht schon einmal Jemanden dahin gewünscht, wo der Pfeffer wächst? Vielleicht sollte man diesen nicht ganz so frommen Wunsch einmal überdenken, denn in Kampot wächst der Pfeffer tatsächlich – und er ist ganz ausgezeichnet!

Die kleine Universitätsstadt an der Gabelung des Teuk Chhou Flusses liegt am Fuß der Elefantenberge inmitten von Plantagen, wo seit der französischen Kolonialherrschaft Pfeffer angebaut wird. Nun ist Pfeffer nicht gleich Pfeffer, und jener aus Kampot hat eine fruchtige Schärfe, die mit Limette vereint, geschmortes Hühnchen oder einen festfleischigen Fisch sehr veredeln kann. Kosten kann man die verschiedensten Pfeffer-Gerichte an jeder Ecke, aber nicht überall wird wirklich der echte Kampot-Pfeffer verwendet. Hier einmal ein Beispielfoto von äußerst schmackhaftem Hühnchen in Bananenblüten gegart, mit Galgant, Knoblauch, Kaffir-Limettenblättern – und natürlich Pfeffer aus Kampot (echt).

 

Ich bin der festen Überzeugung, dass Menschen, die an einem Fluss mit einer Promenade aufgewachsen sind, glücklicher sind als andere – außer jenen, die das Glück hatten, am Meer groß zu werden selbstverständlich. Und Kampots Einwohner machen einen sehr zufriedenen Eindruck. Das scheint sich auch auf die Expatriots und „Pfeffer und Kuchen.“ weiterlesen

Einmal Hippie sein.

Und wenn, dann doch bitte gleich an einem sehr entspannten Ort: Otres Beach 1 bei Sihanoukville. Wundern Sie sich nicht, es gibt zwei Otres Beaches und dann noch ein Otres  Village. Während letzteres an einem Flusslauf und kleinen See einige Kilometer im Landesinneren liegt und eher weniger Charme besitzt als, sagen wir Timmendorfer Strand, scheint Otres Beach 2 so etwas wie das wahre Otres Beach zu sein – noch abgelegener, noch alternativer, noch schöner, wie mir einige sendungsbewusste Backpacker mit auf den Weg gaben. Sei’s drum, mir gefiel es in Nummer eins ganz ausgezeichnet, weswegen es eine kleine Galerie, ein paar Tipps und sonst nichts gibt.

Fahren Sie selbst hin, bevor die großen Hotelgruppen eigene Resorts hinklotzen!

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Unterkunft
Seebreaze Resort
Nettes, kleines Resort. Die Bungalows sowie der Pool sind gut in Schuss gehalten, und die ukrainische General Managerin ist sehr freundlich und kompetent, ebenso wie das Team. Das Frühstück ist okay, aber anstatt des (Konserven) Fruchtsaftes sollte man sich lieber einen Pott Khmer-Kaffee bestellen – der weckt die Lebensgeister überaus schnell!

Essen und Trinken
Otres Beach hat für jeden Geschmack etwas. In den meisten Bars und Restaurants kann man neben Khmer-Gerichten internationale Klassiker oder die Spezialitäten aus dem Heimatland des Besitzers essen.

Papa Pippo
Natürlich ein Italiener! Die Bruschetta ist extrem lecker und reicht locker für zwei Personen. Und Spaghetti Puttanesca habe ich selten so gut gegessen.

Dune-Restaurant
Frankophilen Essern geht beim Lesen der Karte das Herz auf: Merguez! Crème brûlée! Und ja, die Merguez sind genau so, wie man sie aus Frankreich oder dem Maghreb kennt. Thomas und seine Equipe halten das Resto gut in Schuss und auch die Drinks sind ordentlich gemixt. Tipp: Vormittags eine Liege unter einem Palmschirm in zweiter Reihe sichern und einen Mangoshake ordern.

Bamboo Shack
Wem nach etwas frischem ist, sollte den griechischen Salat mit Schafskäse essen. Außerdem gibt es ausgezeichnete Kebab-Spieße, die mit Fritten und einer limettigen Sauce serviert werden. Bier gibt es hier für 1 $, der Sonnenuntergang ist gratis.

 

Rümpf, rümpf, rümpf.

Ja, genau. So sieht eine gute Überschrift aus. Und natürlich fragen Sie sich möglicherweise: „Was will sie uns denn jetzt schon wieder erzählen?“ Naja, Sie wollten es ja nicht anders.

Damit ich mich nicht langweile, lese ich mich vorher durch Lokalnachrichten, Veranstaltungskalender und Kulturseiten, um zu erfahren, was man denn am Ort des Geschehens so anstellen kann. Und da stieß ich in der Phnom Penh Post auf einen Artikel über die Siem Weep Singers. Weeping im Sinne von „Tränen wegwischen“.

Die Travelling Lady ist ja immer offen für Grenzerfahrungen. Und so schritt ich nach einem kurzen Telefonat mit der derzeit amtierenden Chorleiterin Deborah Saunders durch die Stadt, um in der Small Art School meine Aufwartung zu machen. Die Small Art School, gegründet und geleitet von der Japanerin Tomoko Kasahara, hat sich zur Aufgabe gemacht, unterprivilegierten Kindern und Jugendlichen eine Teilhabe an künstlerischer Bildung zu ermöglichen.

Angeschlossen daran ist die Khmer Kids Art Gallery, wo neben Arbeiten der Kinder und Jugendlichen auch weitere Werke erworben werden können. Hier trafen wir uns: die beiden Expatriots Deborah aus Australien, Galerie- und Art Koordinatorin Yuko Sakata aus Japan – und ich. Von den sonst üblicherweise teilnehmenden bis zu 17 Chormitgliedern waren aufgrund des erhöhten Urlaubs- und Krankheitsaufkommens also nur wir drei übrig. Und ich glaube zu wissen, dass die Beiden nur mir zuliebe den Chortermin durchführten und meine diversen Stimm- und Tonlagenausrutscher dezent überhörten. An dieser Stelle ein riesengroßes Herz nach Siem Reap! „Rümpf, rümpf, rümpf.“ weiterlesen

Mr. Panns Ponys oder Lektionen in Glück.

Er seufzt ein wenig und seine Falten scheinen sich noch tiefer in das braune Gesicht einzugraben: „Die Stadt wächst immer weiter, wie ein Pilz. Und ich brauche mehr Land. Aber das Land um meine Farm gehört der Stadt. Also muss ich umziehen, weiter raus.“

Dabei wäre es für Sary Pann, Eigentümer der „Happy Horse Farm„, nur einer der vielen Umzüge und Umbrüche in seinem Leben. 1941 in Siem Reap geboren und dort aufgewachsen, erlebte er die Wirren um die Landnahme zwischen Thailand und Kambodscha unter der Duldung der französischen Kolonialherren ebenso wie den Vietnam- und Bürgerkrieg. Der Beginn des Vietnamkriegs war für ihn die Möglichkeit, aus der Provinz auszubrechen: „Ich wollte etwas lernen, sehen und in die Großstadt!“ 1969 ging er nach Phnom Penh, um sechs Jahre lang für die amerikanische Botschaft zu arbeiten. 1975, kurz bevor die Roten Khmer die Stadt eroberten und die Bevölkerung entweder vertrieben oder umbrachten, holten ihn seine Dienstherren außer Gefahr. Sary Pann wurde erst nach Thailand gebracht, dann nach Kalifornien.

„Dort habe ich als Angestellter gearbeitet und besser Englisch gelernt, bis ich dann 1992 wieder nach Kambodscha zurückkam.“ Seit seiner Verrentung 2002 baute er systematisch seinen Reitbetrieb und die Pferdezucht aus. „Ich fing 1996 mit einem Pony an, importiert über ein Schutzprogramm aus Vietnam. Es war abgemagert und verwurmt, aber mein erstes Pferd. Dann kaufte ich nach und nach immer mehr Pferde, viele davon Araber* aus Vietnam und fing an zu züchten. Die Ponys und Pferde hier auf der Ranch haben viele Rassen, aber das Khmer-Pferd ist robust und geht auf die Mongolenpferde zurück.“ In der Tat sind auf vielen Reliefs in Angkor Wat kleine Kriegspferde zu sehen, mit kräftigem Schädel und Stehmähne, ganz wie mein Pferdchen namens „Star“, das mich später durch ausgetrocknete Reisfelder, Weiden und durch die Vorstadtdörfer Siem Reaps tragen wird.

Mittlerweile stehen 46 Pferde in seinen Ställen, die allesamt westlichen Standards genügen. Die Pferde machen einen guten Eindruck, keine Rippen sind zu sehen und Sary Pann versichert: „Ich lasse sie regelmäßig entwurmen und checken, wir werden hier auch von der Cambodia Pony Welfare Organisation überprüft.“ Die Pferde erhalten zwei Mal täglich ein Mischfutter aus Gras und einer Melange aus Pflanzenöl, Kalzium, weiteren Mineralien und importiertem Quellfutter aus Thailand. Das Gras kommt von eigenen, gut gewässerten Wiesen.

Die Pferde würden ausschließlich in den frühen Morgenstunden oder am späten Nachmittag geritten. „Es macht keinen Sinn, wenn sich Pferde und Reiter in der Hitze unwohl fühlen. Und auch für unsere Guides ist es angenehmer.“ Die Guides und Angestellten werden von der Cambodia Pony Welfare Organisation ausgebildet und sollen selbstständig für das Wohlergehen der Tiere sorgen können. Auch Volontäre sind gern gesehen, obwohl man das Konstrukt, in Entwicklungs- oder Schwellenländern kostenfrei zu arbeiten und möglicherweise lokalen Arbeitskräften Jobs wegzunehmen, durchaus kritisch sehen kann. Dazu in einem späteren Post sicherlich mehr.

Für die Zukunft wünscht er sich „Mr. Panns Ponys oder Lektionen in Glück.“ weiterlesen

Touristische Tempelritter.

Mist. Ich habe sie nur um vier Tage verpasst! Angelina Jolie war in Siem Reap, um die Premiere ihres neuen Films „First They Killed My Father“ zu feiern. Nicht in Phnom Penh, nicht in Los Angeles, nein, in Siem Reap, ganz in der Nähe der Tempelanlage Ta Prohm, die zum gewaltigen Komplex von Angkor Wat gehört. Dazu hat sie mit ihren Kindern die traditionelle kambodschanische Küche entdeckt und Skorpione, Vogelspinnen und Käfer (Video!) gegessen. Also fast wie normale Touristen, wenn sie in die heimliche Hauptstadt Kambodschas kommen.

Was normale Touristen natürlich auch machen: „Angelinas“ Tempel Ta Prohm besuchen und sich gegenseitig auf den Füßen herumstehen. Besonders gern wird man von Touristengruppen des chinesischen oder koreanischen Kulturkreises aus dem Weg geräumt, möchte man einmal ein Relief etwas genauer betrachten. Hier gibt es einige Tipps, wie man Angkor Wat in Ruhe genießen können soll – vor allem ist frühes Aufstehen angesagt.

Ich für meinen Teil traf unter der fachkundigen Führung von Mr. Rith um acht Uhr am Wat Bayon ein, um die berühmten Riesen-Köpfe in einem angenehmen Licht fotografieren zu können. Da waren die meisten Gruppen noch am Haupttempel Angkor Wat. Die gewaltige Anlage von Angkor Wat bedarf durchaus des Besuchs von zwei Tagen, um alles erfassen und sehen zu können. Am besten, man bucht einen Dreitagespass und besichtigt jeweils einen oder zwei Tempel am Morgen, um dann den Rest des Tages andere Dinge zu machen.

Angelinas Tempel, wo sie 2001 während der Verfilmung des Videospiels „Tomb Raider“ ihre Fußspuren hinterließ, ist durch die eingestürzten Ruinen sehr malerisch und bedarf guten Schuhwerks. Sie trug damals übrigens Wanderstiefel. Heute tun es auch Sportschuhe, aber Flipflops sollte man vermeiden. Zu leicht verknackst man sich den Knöchel. Oder ein asiatischer Tourist tritt darauf.

Schauen Sie sich doch einfach die Fotos an. Und alles Wissenswerte zu Angkor Wat hat Patrick in seinem Blog Tripangkor zusammengestellt. Lesenswert ist auch das Blog von Inga Palme, die über Leben, Essen, Ausgehen und Menschen in Siem Reap schreibt.

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