Der kambodschanische Leuchtturm.

Wer sich schon einmal im Cirque du Soleil in artistische Traumwelten entführen ließ, für den wird „Phare“, französisch für Leuchtturm, ebenfalls eine fantasievolle Erfahrung sein. Phare ist der Name eines kambodschanischen Zirkus- und Künstlerprojektes, das jeder Tourist mit einem Besuch des beiden Niederlassungen in Battambang oder Siem Reap unterstützen kann. 1994 als Kunstakademie Phare Ponleu Selpak – „Das Leuchten der Kunst“ – in Battambang gegründet, stand die Institution nach dem Ende der Schreckensherrschaft der Roten Khmer zunächst unter einem therapeutischen Ansatz. Vertriebene und traumatisierte Kinder und junge Menschen sollten mittels kreativer Arbeit neue Perspektiven erhalten. Heute ist die Akademie für Künste wie Malerei, Illustration, Theater, Musik, Tanz und Artistik in ganz Kambodscha bekannt und über 1.000 Schüler aus schwierigen Verhältnissen besuchen die kostenlosen Programme und Kurse.

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Die Akademie finanziert sich durch Spenden und die Aufführungen des Zirkus Phare in Battambang und Siem Reap. Außerdem sollen mit den Einnahmen Arbeitsplätze geschaffen und die Erneuerung der kambodschanischen Kunst vorangetrieben werden.

Die Aufführungen zeigen Alltagssituationen kambodschanischen Lebens, die auch für ausländische Erwachsene und Kinder leicht nachvollziehbar sind. Das Ganze ist überaus charmant und temporeich, wozu auch der treibende Rhythmus der traditionellen Roneat (kambodschanisches Xylophon) beiträgt. Als Appetizer gibt’s hier ein kleines Video der „Jungstruppe“, die mit viel Testosterongedöns und Clownerie die Herzen des weiblichen Artistikteams (und Publikums) eroberte.

Ach, schauen Sie sich das doch einfach mal selbst an, wenn Sie in Battambang oder Siem Reap sind! Es macht einen Riesenspaß und ist auch noch für einen guten Zweck.

 

Weinwelt: Kambodscha.

„I heard it through the grapevine…“ Der gute, alte Marvin Gaye! Mir war da übrigens auch ein Gerücht zu Ohren gekommen*, dass ganz in der Nähe des Tempelbergs Wat Banoen, den man mittels 358 Treppenstufen besteigen kann, ein Weingut geben soll. Da die Travelling Lady den weltlichen Genüssen zugetan ist, möchte sie unter der Rubrik „Weinwelt“ das ein oder andere Weingut auf ihrer Tour besuchen und natürlich auch deren Produkte verkosten. Was liegt also näher, als mit Kambodschas Wein anzufangen?

Die Chan Thay Chhoueng Plantation liegt in einem kleinen Dorf zwischen Battambang und Wat Banoen und sieht auf den ersten Blick aus wie eine ganz normale Tomatenzuchtanstalt in den Niederlanden: mit Folie überspannte Bögen, darunter Erde und Bewässerungssysteme, zentral gelegen die Verkostungs- und Verkaufsstation. Die sichtbaren Weinreben sind allerdings anders als gewohnt, keine am Boden gezogenen und ausgegeizten Stöcke, sondern ziehen sich quasi bis unter die Decke, anders als in diesem Artikel beschrieben. Trauben konnte ich keine finden, obwohl die Ernte in Kürze stattfinden sollte. Angeblich lassen sich aufgrund des guten Klimas bis zu drei Ernten pro Jahr an den 4.000 Rebstöcken erwirtschaften.

Auf meine Frage an die mich durch die Örtlichkeiten führende Mitarbeiterin, ob ich denn die restlichen Weinberge und die Keller besichtigen könne, wurde mir leider gesagt, dass dies derzeit nicht möglich sei. Eine weitere Erklärung erhielt ich auf Nachfrage nicht, was mich stutzig machte.

Später fand ich dann dieses Video (von 2010), was aber auch nicht wirklich erhellend sein dürfte.

Für 2 $ konnte ich dann einen Rotwein sowie den Brandy verkosten. Der Rotwein schien etwas zu süß geraten, obwohl er als die trockene Sorte bezeichnet wurde. Anders als in einer weiteren Wine Plantation wird hier wohl aber kein Palmzucker zugesetzt. Der Brandy wiederum kam sehr sprittig daher. Allerdings verzichtete ich auf den Kauf einer Flasche von beidem.

Wieder bei meinem netten Tuk Tuk-Guide Mr. Bhunta angekommen, erklärte der, dass die Familie früher sehr nett gewesen sei. Aber dann seien sie mit zur Weinplantage hingekarrten Touristen zu viel Geld gekommen und daraufhin heute nicht mehr sehr beliebt. Zumal sie mit dem Geld immer mehr Land gekauft hätten, ihre Angestellten schlecht entlohnten und der Wein, ja, der sei aus dem Ausland, aus China oder Vietnam dazugekauft und vermischt. Richtig anbauen könne man hier keinen Wein, das hätten die Besitzer auch gemerkt. Und später auch die Touristen, denn von den anfänglich bis zu 100 Besuchern pro Tag seien heute kaum noch welche, die den Stopp auf dem Rückweg nach Battambang machen würden.

Aber er wünsche der Familie weiterhin viel Glück, vielleicht würden sie ja mit ihrem Land traditionell Reis für Reiswein anbauen, der sei auch besser für die kambodschanische Seele. Für meine Seele ist es besser, auf kambodschanischen Wein zu verzichten und die nächste Weinprobe erst in Neuseeland zu starten. Ansonsten gilt: bei Gerüchten immer mal nachschauen und sich selbst von deren Wahrheitsgehalt überzeugen. I heard it through the grapevine…

*Nun gut, es stand im Reiseführer, aber es war so hymnisch beschrieben, dass ich da doch gleich mal den Gegencheck machen wollte.

Im Rausch durch Battambang.

Die Reise von Phnom Penh in die zweitgrößte Stadt Kambodschas ging schnell vorüber, was ebenso am fast durchgehend im Mini-Bus vorhandenen WLAN als auch an der Fahrweise des Busfahrers lag. Man sollte in solchen Fällen einen Vertrauensvorschuss geben, schließlich kennen die Fahrer in der Regel ihr Geschäft und außerdem gibt es in Berlin Busfahrer mit bedeutend schlimmerer Fahrweise und Laune. Aber sehen Sie selbst:

Letztendlich kamen wir alle wohlbehalten in Battambang an. Das hier bezogene Hotel kann ich übrigens wärmstens weiterempfehlen – es ist zauberhaft, das Frühstück ausgezeichnet und sogar für Familien geeignet.

Battambang, die alte Kolonialstadt, wollte also entdeckt werden. Leider hatte ich mir am Vortag zwei Blasen an den Fersen gelaufen, so dass ich in meiner Reiseapotheke nach Pflastern kramte. Ah, da waren sie ja! Ich klebte also auf jede Malaise eines und marschierte wohlgemut in Richtung Altstadt. Nach nicht einmal hundert Metern wurde mir sehr seltsam; alles verlangsamte sich auf unschöne Art und Weise, das Setzen eines Fußes vor den anderen fiel zunehmend schwerer. Auch schienen sich alle Farben in einen sehr wolkigen Nebel zu verändern. Etwas mühsam dachte ich erst über einen möglichen Hitzschlag nach, verwarf aber den Gedanken, denn ich hatte genug Wasser getrunken und mit knapp 30 Grad war die Temperatur im angenehm warmen Bereich. Also noch mühsamer nach Alternativlösungen für diese seltsamen Ausfallerscheinungen gesucht. Mittlerweile hatte ich keine Lust mehr zu Laufen; es war ohnehin immer schwerer geworden, die gerade Linie zu halten. Ich setzte mich in ein kleines Café. Da fiel mir blitzartig etwas ein. Waren es etwa…? „Im Rausch durch Battambang.“ weiterlesen

Vogelfrei.

Der Blick vom Treppenabsatz unterhalb des Tempels Wat Phnom geht tief ins grüne Dickicht, und die trubelige Großstadt scheint für einen Augenblick sehr weit entfernt. Eine junge Frau stellt vorsichtig zwei Käfige auf den Boden vor dem Geländer. Gute zwei Dutzend kleine braunschwarze Vögel klammern sich an die Sitz- und Gitterstäbe oder sitzen verängstigt oder halbtot auf dem Käfigboden. Die Frau nimmt einen der Vögel aus dem Käfig und setzt ihn auf die Handfläche.

Weit streckt sie den Arm in Richtung Dickicht, doch der Vogel versucht nicht einmal, davon zu fliegen. Selbst die zerzausten, langen Flügel hängen traurig herab. Sie setzt ihn auf den Boden neben den Käfigen, wo er reglos sitzen bleibt. Nur ein gelegentliches Zucken der Flügel und der noch erhobene Kopf zeigen, dass noch Leben in ihm steckt.

Einen Vogel nach dem anderen entlässt sie in die Freiheit. Die meisten fliegen nach einigen Probeflügelgschlägen sofort los. Ich frage sie, warum sie das macht. Sie antwortet: „Mit den Vögel fliegen die Sünden davon und es bringt Glück.“ Man kaufe die wild gefangenen Vögel – sie kosten umgerechnet 70 Cent pro Stück – und lässt sie dann wieder in der Nähe eines Tempels oder anderen heiligen Ortes frei.

 

Ich frage ich, wie viele Sünden sie wohl begangen haben mag, dass es zwei ganze Käfige voll mit kleinen Vögeln sein müssen. Der kleine Vogel auf dem Boden ist mittlerweile tot und durfte nicht mehr frei sein. Wenn das keine Sünde ist, weiß ich auch nicht.

Airport-Check (1): Helsinki.

Den Start macht Helsinki, und ja, ich war beeindruckt, was der Flughafen so alles zu bieten hat. Die knapp zweieinhalb Wartestunden auf den Anschlussflug waren in Null Komma Nichts vorbei. Natürlich nicht zuletzt dank des ersten und vielleicht wichtigsten Punkts der Liste:

  1. Unbegrenztes, kostenfreies WLAN und Ladestationen
    Wir leben im 21. Jahrhundert, alle sind mit allen vernetzt und es will mir einfach nicht in den Kopf, warum es an Flughäfen, auf Bahnhöfen, in Hotels oder in Kliniken Deutschlands nicht schon längst unbegrenztes, kostenfreies WLAN gibt. Das macht überaus zufrieden, verkürzt Warte- und Rekonvaleszenzzeiten (erwiesen!) und nervt entschieden weniger, wenn man nicht immer auf die Uhrzeit schielen muss und im Hintergrund die Eurostücke klackern hört. Dezent in Sitzmöbel eingebaute Ladestationen für elektronische Geräte haben die Finnen ja schon. So dezent, dass ich erst auf den dritten Blick sah, dass es sie gibt. Aber da hatte ich mein Handy und E-Book bereits gemütlich an einer der vielen Ladestationen mit Saft versorgt und surfte entspannt vor mich hin.
  2. Finnen-Designkult
    Marimekko, Iittala – die puristischen Designschlager aus Finnland werden natürlich auch in den Boutiquen am Flughafen angeboten (zu satten Preisen). Aber: es gibt auch noch einen Mumin-Shop! Wenn ein Land seinen geliebten Fabelwesen schon eine Euro-Münze designen lässt, ist der Shop ohnehin gesetzt.
  3. Book Swap
    Unterwegs alle Bücher ausgelesen und keine Lust mehr, sie weiterhin durch die Weltgeschichte zu schleppen? In der Kainuu Lounge stehen Regale und Reisende sind ausdrücklich ermuntert, ihre Bücher dort zu lassen und im Gegenzug interessante Bücher mitzunehmen.
  4. Schaukelstühle
    In mehreren Wartebereichen stehen schlichte Schaukelstühle neben den doch eher ungemütlichen Sitzbänken ohne Lehnen (aber dafür mit Ladestationen). Hallo! Schaukelstühle! Ist das nicht großartig?
  5. Sauna
    War ja klar, dass sich die Schwitzverrückten Finnen auch an ihren Flughäfen nicht vom Saunieren abhalten lassen. Und so bietet der Flughafen Helsinki zwischen den Gates 36 und 37 eben eine Sauna für jedermann an. Unisex, versteht sich!

Mehr Mut als Gepäck.

Kennen Sie Anna Leonowens? Nein? Aber die Verfilmungen „Anna und der König von Siam“, die kennen Sie doch bestimmt? Falls nicht: Die Geschichte um die verwitwete, englische Lehrerin Anna (Leonowens), die an den Königshof von Siam (Thailand) berufen wird, um dort dessen Kinder und Konkubinen zu unterrichten, ist ein Klassiker über Frauen im 19. Jahrhundert, die sich wenig um gesellschaftliche Konventionen scherten und fremde Länder bereisten, dort arbeiteten oder eigene Entdeckungen machten. Beschrieben sind sie unter anderem in dem Buch von Julia Keay „Mehr Mut als Kleider im Gepäck: Frauen reisen im 19. Jahrhundert durch die Welt“.

Weniger Mut als Kleider hat die Frau des 21. Jahrhunderts im Koffer, wenn sie auf Weltreise geht. Alles lässt sich per Internet suchen und buchen, wenn man es denn möchte. Kommunikation läuft zeitnah online und ganz ohne langwierige Postwege. Es gibt für alles Versicherungen und Rückfallebenen. Ein Luxus, wenn man sich die im oben genannten Buch portraitierten Damen ansieht.

Und vor allem deutlich weniger beschwerlich, was das Gepäck betrifft. Links ein Schrankkoffer, wie ihn die bessere Gesellschaftsdame zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf ihren Überseereisen per Schiff dabei hatte. Für Abend- und Tageskleider, Korsetts, Mäntel, Schuhe, Schals, Hüte… Stellen Sie sich vor, Sie würden mit einem solchen Koffer an den Check In-Schalter des Flughafens kommen!

Nichtsdestotrotz stellt sich heute wie damals die Frage: was soll mit? Und gleich daran anschließend: welcher Koffer ist der richtige für das ganze Gedöns, das Frau so mit sich führen möchte? „Mehr Mut als Gepäck.“ weiterlesen