Good bye, Neuseeland (oder: Kiwi 2.0).
Am Ende einer Reise steht immer ein Eindruck, ein Fazit des Landes. Um es vorweg zu nehmen: man kann sich sehr, sehr wohl fühlen bei den Kiwis. Und damit meine ich nicht den puscheligen kleinen Vogel, das Nationaltier Neuseelands. Die Einwohner nennen sich bekanntermaßen ebenfalls Kiwi und sind durchweg entspannte, aufgeschlossene und hilfsbereite Menschen. Wer sich selbst mit einem halbblinden, nachtaktiven und flugunfähigen Vogel identifiziert, hat ohnehin einen sehr sympathischen Sinn für Humor!
Neben der großartigen Natur jedoch verblasst alles. Angefangen von den Baumfarnwäldern über die Vulkanregion rund um Taupo, Rotorua und Tongariro bis zum artenreichen Abel-Tasman-Nationalpark – vom Wasser aus erkundet noch einmal eine besondere Erfahrung! Besonders die Vogelwelt ist sehr spannend, auch wenn sich das neuseeländische Nationaltier selbst bei einer geführten Nachttour gut versteckt hält. Die allgegenwärtigen Tui sind ohnehin viel charmanter und auch deutlich melodischer unterwegs.
Als junge Nation und Einwanderungsland stehen Individualismus und entspanntes Umgehen mit Multikulti hoch im Kurs. Anders als die Aborigines in Australien haben die Maori eine Stimme – neben Englisch und Maori* ist übrigens die Gebärdensprache dritte Amtssprache -, und bis auf wenige Ausnahmen scheint das Miteinander sehr gut zu funktionieren. Genügend Platz zum Ausweichen ist jedenfalls vorhanden – Autofahrten zum Beispiel vor der Vulkankulisse des Mount Ngauruhoe über eine halbe Stunde hinweg ohne weiteren Verkehr bringen den Reisenden dazu, sich wie der einzige Mensch auf dem Planeten zu fühlen.
*Hier gibt es ein sehr hilfreiches Online-Maori-Dictionary
Indes, verbunden ist man via WiFi an fast jedem Ort der Insel, und insbesondere die beinahe überall gepflegte gute Sitte des kostenfreien WLAN in Bars, Cafés, Restaurants und Hotels macht es dem Reisenden sehr leicht, seine Planungen voranzutreiben. Die meisten Aktivitäten lassen sich online buchen, via Booking.com oder ähnliche Portale ist es überhaupt kein Problem, sich die nächste Übernachtung zu suchen. Staatliche wie private Einrichtungen haben meistens gut geführte Webseiten, deren Informationen leicht zugänglich sind. Besonders gut präsentieren sich natürlich die oben genannten Touranbieter für Vogelbeobachtungen. Der Kiwi 2.0 ist also lebendiger denn je. Übrigens hat Neuseeland nun auch eine Top Level-Domain namens .kiwi, die langsam aber sicher ihren Nutzerkreis erweitert. Was allerdings bei mir leichtes Bauchgrimmen hervorruft, wenn eine der verbreiteten Metzgereiketten namens „Mad Butcher“ mit .kiwi wirbt. Man möchte dem heimischen Vogel dann doch ein sicheres Überleben wünschen…
Ein ganz klein wenig habe ich dann doch mein Herz an dieses wunderbare Land am Ende der Welt mit seinen wunderbaren Menschen und Tieren verloren. Vielleicht komme ich dereinst zurück und sichere mir noch mehr Rosamunde-Pilcher-Ausblicke an einsamen Fjorden und Stränden. Oder, wie es in dem traditionellen, neuseeländischen Song „Going for a Tramp“ (1923) heißt:
For your wife don’t take a „Vamp“
But choose a warming healthy tramp
One with you will fondly stay
Over the hills and far away.
Weiterführende Links und Empfehlungen (mehr …)